Zum Nachdenken

Zum Nachdenken
eine Sammlung unterschiedlichster Texte von mir, die in den letzen Jahren entstanden sind

Was schenken Sie Ihrem Hund zu Weihnachen?

Schenken Sie Ihrem Hund doch mal 24 Stunden ohne.

24 Stunden ohne Kommandos, ohne Grundgehorsam, ohne Streß, ohne Hundesport, ohne Schnellerhöherweiter, ohne Strafe, ohne Maßregelung, ohne Schimpfen, ohne Erheben der Stimme, ohne Ihre schlechte Laune, ohne Strenge, ohne sich über Ihren Hund zu erheben.

"Wie soll das denn gehen?" fragen Sie?

Ganz einfach. Seien Sie 24 Stunden der beste Freund Ihres Hundes. Kommunizieren Sie 24 Stunden mit ihm, wie Sie mit einem Menschen kommunizieren würden, den Sie über alles lieben, und dessen bester Freund Sie auch weiterhin bleiben möchten.

Werden Sie kreativ. Überlegen Sie sich alternative Verhaltensweisen.
Ich kann Ihnen versichern - es ist machbar. Bei jedem Hund. Es steht und fällt mit Ihrem Verhalten.

Wenn Sie das schaffen, werden Sie merken, dass aus den 24 Stunden auch 2 Tage, eine Woche, ein Monat, ein Jahr, ja ein ganzen Leben werden können.

In diesem Sinne - eine liebevolle Vorweihnachtszeit

Wir bezeichnen uns selbst als „Die Krone der Schöpfung“.
„Macht Euch die Erde untertan!“ ist fest verankert in unseren Köpfen, obwohl fast keiner mehr an die Schöpfungsgeschichte in der Bibel glaubt.
Nach dieser Prämisse leben die meisten. Diese Denke prägt unseren Umgang mit Tieren, mit unseren Hunden. Warum erheben wir uns über die Tiere? Weil wir zum Mond fliegen können und Herzen transplantieren können? Weil wir Kriege führen, Grenzen um Regionen ziehen, morden, quälen, foltern, die Natur komplett zerstören? Ist Letzteres so erstrebenswert? Ist das etwas, auf das man stolz sein kann? Wohl kaum. Und dennoch erheben wir uns über die Tiere, die so etwas nicht annähernd im Sinn haben. Sie können zwar nicht zum Mond fliegen und auch keine Herzen transplantieren, doch in ihrer Welt sind sie perfekt und können so vieles, das wir nicht können.

Warum bilden wir uns ein, dass Tiere uns gehorchen müssen? Wir ihre Lehrer sein müssen? Dass der beste Freund des Menschen Gehorsam uns gegenüber an den Tag legen muss? Der beste Freund des Menschen? Er ist uns näher als jedes andere Tier. Er liebt uns mehr als unser Partner/unser bester zweibeiniger Freund. Er kommuniziert mit uns, weil er uns so gut lesen kann, unsere Sprache und Körpersprache so wunderbar interpretieren kann. Umgekehrt eher weniger. Und wir verlangen tatsächlich „Gehorsam“ von diesem einzigartigen uns liebenden Wesen, das uns so sehr gefallen möchte, anstatt uns die Mühe zu machen zu lernen, in seine Welt einzutauchen und mit ihn zu kommunizieren.



"Hilfe, mein Hund ist dominant, denn er rammelt alles mögliche: Kissen, Decken, Stofftiere, und er versucht sogar mein Bein zu rammeln. Der denkt, dass er Chef ist."

Solche Aussagen kommen immer wieder gerne von meinen Kunden.

Tja, warum rammeln Hunde eigentlich so gerne alles, was ihnen unter die Pfoten kommt?

Die Antwort liegt auf der Hand: Weil es Spaß macht! Weil Sex Spaß macht. Allen Tieren (auch wir sind Tiere, auch wenn wir uns selber als die Krone der Schöpfung sehen). Würde Sex einer Spezies keinen Spaß machen, wäre diese schnell ausgestorben. Und es macht den männlichen wie auch den weiblichen Tieren Spaß. Würde es nur den männlichen Tieren Spaß machen, dann wäre diese Art genauso schnell ausgestorben. Bei uns Menschen macht es Männern und auch Frauen Spaß. Lediglich die Kirche funkte und funkt immer noch dazwischen und läßt den Gläubigen Glauben machen, dass Sex nur der Fortpflanzung dienen soll. Alles andere ist schließlich PFUI! Hände über die Bettdecke beim Einschlafen!
PFUI!
Es ist tatsächlich immer noch in uns drinnen. Auch wenn wir nicht gläubig sind. Die Kirche hat soviel Einfluß auf unsere Gesellschaft, dass Sex PFUI! ist, und wir geben es ungefiltert an unsere Hunde weiter. Woher soll aber nun Fiffi wissen, dass es in unserem Menschenleben eine unsichtbare Instanz mit langem grauen Bart gibt, die das verlangt? Also weiterhin PFUI!, wenn Fiffi ein Kissen rammelt, sein Stofftierchen rammelt oder an unser Bein geht. Weil es unser Glaube so verlangt.
Fiffi rammelt aber, weil es sich für ihn angenehm anfühlt. Selbst wenn er kastriert ist. Und nicht nur für ihn. Auch für seine weiblichen Kolleginnen fühlt es sich ebenso angenehm an, selbst wenn sie kastriert sind.
Unvorstellbar für uns? Wo unsere Gesellschaft kontroverserweise auf der anderen Seite dann so übersexualisiert ist. Keine TV-Zeitschrift ohne eine lüsternde Blondine auf dem Titelblatt, kein Musikvideo mit einer vor Lust bebenden Sängerin mit Mimik und Moves wie kurz vor dem Orgasmus, fast kein Werbeplakat ohne eine sexbesessenen Frau. Sex sells. Aber nur die Krone der Schöpfung hat scheinbar das Privileg darauf.

Wo ist bitte das Problem, wenn das eigene Hundi diese Gefühle auch genießen will? Schämen wir uns für ihn? Oder glauben wir wirklich, dass er dann Chef über uns und unser Leben ist? Nicht wirklich, oder? Ist dann jeder, der Sex macht Chef? Wie soll das denn gehen? Sind dann alle Chef? Alle Menschen und alle Hunde? Alle Tiere?

Liebe Hundefreunde, wenn es Ihnen wirklich so peinlich ist, dann schauen Sie einfach weg. Aber lassen Sie doch bitte Ihrem Hund sein Rammeltierchen oder Rammelkissen, und wenn er versucht Sie zu rammeln, dann streifen Sie ihn einfach ganz neutral ab, auch wenn Sie es mutmaßlich anfangs ein paar mal machen müssen, bis er merkt, dass das bei Ihnen nicht klappt. Denn wenn Sie es zornig oder wütend machen, dann wird es mutmaßlich schlimmer, denn dann tritt der zweite Grund ein, warum Hunde rammeln:

Streßabbau.
"Waaaas? Mein Hund hat doch keinen Streß?" Das glauben Sie vielleicht, aber Hunde sind sehr leicht zu stressen. Und dieser Streß kann positiv oder auch negativ sein. Positiver Streß ist eine Fülle von tollen Erlebnissen sein, vielleicht aber auch zu viele tolle Erlebnisse. Das massive Programm, welches viele Hundehalter ihren Hunden bieten: Montag Agility, Dienstag Obedience, Mittwoch Flyball, Donnerstag Mantrailing, Freitag Longieren, Samstag Dogdance, Sonntag Social Walk. Das ist Streß für ein Raubtier, welches 18 - 20 Stunden Schlaf braucht und es gerne gemütlich hat - wenn man es läßt.

Negativer Streß ist das Leben als Befehlsempfänger, Strafen, Streit innerhalb der Familie, stundenlange Einsamkeit, Korrekturen, Maßregelungen, aufgedrückte Rudeltheorien, die am besten Freund des Menschen ausgelassen werden.

Und auch deswegen rammeln Hunde. Und auch Menschen. Kennen Sie den berühmten Versöhnungssex? Auch der dient dem Streßabbau. Ein Paar streitet. Streit ist Streß. Und nach der Versöhnung kommt der Streßabbau. Durch Sex.

Denken Sie doch einfach noch mal darüber nach, wenn Ihr Hund das tun will, was Sie selber ständig machen.

PS: Auf dem Foto meine Chihuahuahündin Lilly und ihr Dönertier (das von Stefan & Erkan :-D )Text

About
  • Leineziehen

    Hunde ziehen an der Leine. Fast alle. Warum?

    WIR sind es, die die Hunde dazu bringen, an der Leine zu ziehen. Wir erziehen sie zu Leinenziehern, zu Vorwärtsstürmern.
    Haben Sie sich schon einmal mit Straßenhunden beschäftigt? Rennen die durch die Straßen? Gibt es überhaupt ein Säugetier, welches außer auf der Flucht und beim Jagen länger als ein paar Minuten am Stück rennt? Tiere sparen Energie wo es nur geht. Je mehr Energie sie verbrauchen, desto mehr müssten sie essen. Da ihnen aber in der Regel nicht uneingeschränkt Essen zur Verfügung steht wie es bei uns Menschen oft der Fall ist, bewegen sie sich nur soviel wie nötig. Wir degenerierten Menschen hingegen nehmen in der Regel viel mehr Kalorien/Energie zu uns als wir verbrauchen und sehen uns daher aus Gründen der Eitelkeit und der Gesundheit dazu gezwungen, diese wieder abzutrainieren.
    Und das Ganze gepaart mit unserem gesellschaftlich geprägten Leistungsdruck fangen wir an, mit unserem Hund – sobald er körperlich dazu in der Lage ist - im Stechschritt an der Leine loszumarschieren. Schnüffeln und markieren ist verboten. Wir empfinden dies in unserem Drang nach Bewegung als störend und hemmend. So lernt unser Hund sehr schnell, dass Spazieren gehen Tempo und Streß bedeutet. Also legen die Hunde – so wie sie es von uns gelernt haben – von Anfang an ein ordentliches Tempo vor. Und jetzt beginnt der Teufelskreis: Der Hund zieht, und der Halter hat zwei Möglichkeiten zu reagieren, die jeder Hundehalter unbewußt macht:

    a) Ohne es zu merken wird er schneller. Also wird der Hund darin bestätigt, dass das Ziehen an der Leine Sinn macht. Wir sind wirklich auf der Flucht, wir haben wirklich Streß.

    b) Er reißt mit dem Bizeps den Hund zurück. Und läßt sich damit auf einen Kampf gegen seinen Hund ein, der sich wiederum auf diese Kampfansage mit einem Gegenkampf einläßt. Druck erzeugt Gegendruck. Streß erzeugt Wut, Wut erzeugt Streß. Das Ganze an einem Halsband (welches ein absolutes NO GO ist) vervielfacht diese Auswirkungen, denn das ruckartige Abdrücken der Luftröhre und der beiden Halsschlagadern erzeugen bei Mensch und Tier unkontrollierbare Reaktionen, denn hier setzt der Selbsterhaltungstrieb ein.

    Beide Varianten machen alles immer schlimmer. Der Hund wird immer mehr ziehen. Und darauf reagieren die Hundehalter dann mit Gewalt und Psychospielchen (wie z.B. zur Strafe stehenbleiben). Das Ergebnis ist, dass der Hund immer hektischer und gestresster wird und der Mensch immer wütender. Unser Hund ist unser Spiegel. Wenn wir uns dessen immer wieder bewußt werden, liegen alle Problemlösungen auf der Hand.

    Das Gleiche im Freilauf: Wir machen den Hund von der Leine ab und fordern ihn verbal sofort auf schnell nach vorne zu laufen. Die meisten Hunde wollen aber gar nicht von ihrem Menschen weglaufen, sondern mit ihm zusammen den Spaziergang genießen. Und in seinem Dunstkreis weiterhin zu schnüffeln und zu markieren und ihre 5 Minuten lustig im Kreis zu rennen. Wir aber laufen im Stechschritt weiter und bringen ihn dazu, alles in Zeitraffer zu erledigen. Zusätzlich werfen wir Gegenstände weit weg von uns, um ihm zu zeigen, dass das Jagen und Wegrennen in hohem Tempo vom Menschen das wahre Glück bedeutet.

    Ein Spaziergang mit und ohne Leine könnte so wunderschön und entspannend für beide Seiten sein.
    Entschleunigen ist wie immer das Zauberwort. Entschleunigen Sie sich - und Sie entschleunigen Ihren Hund.
    Den Hund sich ohne Streß auslasten lassen, nämlich Schnüffeln und Markieren lassen.
    Es ist SEIN Spaziergang und nicht unser Fitnessprogramm.
    Wir sind nicht auf der Flucht.


"Wenn der Hund an der Leine zieht, dann bleibe ich stehen."

Warum solche und ähnliche Psychospielchen nicht funktionieren können:

Dass Leinenführigkeit ohne körperliche Gewalt beigebracht werden kann, hat sich gottseidank schon herumgesprochen, und viele Hundehalter haben für sich beschlossen, mit Ihrem vierbeinigen Freund gewaltfrei umzugehen. Und so lernen sie bei ihrem Hundetraininer bzw. aus den Medien den Trick, dass sie stehenbleiben sollen, wenn der Hund zieht. Und zwar so lange, bis er nicht mehr zieht, und dann erst gehen sie weiter.

Wenn man sich aber jetzt ein bißchen mit dem Lernvermögen eines Hundes auseinander setzt, dann hat sie ganze Sache einen Haken. Zunächst müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir vorhaben, damit den Hund ganz bewußt zu strafen. Es handelt sich um eine sogenannte positive Strafe, sprich: Dem Hund wird etwas Unangenehmes hinzugefügt. Dies ist zumindest unsere Absicht: Zur Strafe für sein Ziehen bleiben wir stehen.

Jetzt versetzen Sie sich aber mal in Ihren Hund hinein.
Zur Strafe für sein Ziehen bleiben wir stehen....
Die Schlußfolgerung daraus müsste da ja dann sein, dass der Hund Stehenbleiben als Strafe empfinden soll. Er müsste Stehenbleiben als Strafe empfinden, ergo durch das Stehenbleiben ein schlechtes Gewissen haben, ergo jedes Stehenbleiben als etwas Negatives empfinden, ergo bei jedem Stehenbleiben Ihrerseits wiederum von einem Fehlverhalten seinerseits ausgehen.

Können Sie mir noch folgen?
Nein?
Eben. Ihr Hund Ihnen spätestens jetzt auch nicht mehr.

Überlegen Sie doch mal, wie oft sie bei einem Spaziergang an der Leine stehenbleiben: An einer befahrenen Straße, die Sie überqueren wollen; wenn Ihr Handy klingelt; wenn Sie sich mit einem anderen Menschen unterhalten; wenn Sie sich nach einem Kothaufen bücken, um ihn aufzusammeln; wenn Sie etwas betrachten wollen und und und...
Dann müsste ja Ihrer Theorie nach Ihr Hund jedesmal denken, er hätte an der Leine gezogen. Jedes Stehenbleiben wäre dann ja eine Strafe für den Hund. Stehenbleiben wäre dann etwas Schlimmes für den Hund.

So denkt und so lernt kein Hund. Bitte bedenken Sie: Ein Hund hat den emotionalen IQ eines zweijährigen Kindes (das ist keine Erfindung von mir, sondern wissenschaftlich erwiesen). Er lebt im Vergleich zu uns Menschen im Hier und Jetzt. Er plant nicht, er lebt nicht vorausschauend, er denkt nicht an morgen, er lebt nicht in der Zukunft. Und er kann nicht um mehrer Ecken rückwärts denken. Das würde eine enorme Intelligenz voraussetzen. Um mehrere Ecken denken, können auch viele Menschen nicht. Dafür gibt es IQ Tests, die nicht ohne sind und genau dies beinhalten. Machen Sie mal einen.

Jetzt mal zur Praxis: Sie gehen mit Ihrem Hund an der Leine spazieren, und ich hoffe, Sie machen dies mit einem gutsitzenden Brustgeschirr mit Schulter- und Atemfreiheit (also kein K9 und kein Norwegergeschirr). Ihr Hund geht schneller als Sie und Sie bleiben auf Anraten Ihres Trainers stehen. Ihrem Hund bleibt nichts anders übrig als ebenfalls stehen zu bleiben. Das ist nichts Schlimmes für ihn, und so steht er eben. Damit hat kein Hund ein Problem sofern Sie kein Problem mit Stehenbleiben haben. Tja, da steht er, da stehen Sie, und er wird vermutlich näher zu Ihnen kommen, weil er Sie mag; und Sie gegebenfalls auch ansehen. Sie loben ihn und gehen weiter. Für den Hund ein schönes Erlebnis. Weiter geht's. Das Gleiche passiert immer und immer wieder. Für den Hund nach wie vor ok. Warum auch nicht. Er lernt daraus, dass Frauchen ab und zu eine Pause braucht, weil sie nicht so gut zu Fuß ist. Damit kann er leben, denn Hunde sind gewohnt, dass wir die merkwürdigsten Dinge machen. Vielleicht wird er aus Rücksicht auf Ihr neues körperliches Gebrechen insgesamt etwas ruhiger werden (Hunde sind unser Spiegel). Aber mit Sicheheit wird er nicht lernen, dass Frauchen eine Pause macht, um ihn für sein Leineziehen zu bestrafen. Stop and Go ist nervig, aber ein Hund kommt im Leben nicht darauf, dass das mit seinem Vorwärtsdrang zu tun hat, denn Frauchen lobt ihn ja fürs näher kommen und den Blickkontakt. Und dann geht sie halt weiter, weil sie halt weiter geht. Hunde nehmen sowas anstandslos hin.

In diesem Sinne - Es gibt genügend Möglichkeiten, dem Hund das Gehen an der lockeren Leine schmackhaft zu machen:
Ohne Strafe - ohne vermenschlichende Psychospielchen


Auslastung

Ich lebe in einem kleinen Dorf mit vielen Bauernhöfen, und jeder hat einen Hund, der sich den ganzen Tag frei auf dem Hof aufhält und den ganzen Tag fast nichts anders macht als rumgammeln und schauen.

Ein Bauer hat einen Berner Sennenhund, der viel liegt und schaut. Der Höhenpunkt des Tages ist für ihn, wenn der Bauer mit seinem Frontlader zu seinem ein Kilometer entfernten Offenstall für Pferde fährt um dort auszumisten. Dann springt der Hund in die Schaufel, der Bauer fährt sie ganz hoch, und der Berner Sennenhund lacht übers ganze Gesicht von hoch oben herab. Wärend der Bauer dort mistet, trottet der Hund, der übrigens kerngesund ist, dort ein wenig rum, und dann geht es auf dem gleichen Weg wieder zurück.

Ein anderer Hofhund ist ein unkastrierter Schweißhundrüde, der ebenfalls nur auf dem Hof abhängt. Wenn ein anderer Hund am Hof vorbeigeht, trottet er raus auf die Straße, sagt kurz "hallo, und wackelt dann wieder rein. Ab und zu geht sein Frauchen ein wenig mit ihm spazieren, während sie ihren Kinderwagen dabei schiebt.

Ein anderer, auch ein unkastrierter Setter, hält sich ebenfalls den ganzen Tag am Hof auf, auch ein ganz Netter. Gehen wir vorbei, schließt er sich uns kurz an, um sich draußen in ein paar Lehmpfützen zu wälzen. Der Sohn des Hauses geht ansonsten einmal am Tag eine halbe Stunde im Wald spazieren.

Warum ich das erzähle: Keiner unserer Hofhunde im Dorf macht einen unausgelasteten Eindruck. Ganz im Gegenteil: Es sind freundliche, ausgeglichene und sehr soziale Hunde. Ihre Auslastung besteht darin, in Ruhe Eindrücke wahrzunehmen, draußen zu sein, beim bunten Treiben auf dem Hof dabei zu sein und ansonsten abzuhängen.

Sollte uns das nicht zu denken geben?

Brauchen unsere Hunde wirklich so viel Action, so viel Auspowern, wie man uns glauben macht?

Wir sind es, die unsere Hund durch zu viel Auspowern genau in das Verlangen nach mehr hineintreiben. Je mehr wir sie gutgemeint auspowern, desto gestresster werden die Hunde sein.

Entschleunigen, wahrnehmen lassen, den Hund mal wieder Hund sein lassen, ihm in den Alltag miteinbeziehen, die Seele baumeln lassen, die Natur genießen, die Sinne einsetzen lassen - anstatt ihm ständig zu vermitteln mit uns auf der Flucht oder auf der Jagd zu sein.

Negative Emotionen in positive Emotionen umwandeln

oder
Wie man wunderbar seinen Hund oder jedes andere Wesen umkonditionierten kann

Über diese Themen habe ich ja immer wieder geschrieben.
Hier mal ein anderes Beispiel:

Wie die meisten hier ja wissen, geh ich mit meinen Pferden nach Mit Pferden Sein von Sabine Birmann um. Ich gehe mit meinen Shettys komplett frei (also ohne Führstrick oder Ähnlichem) durch Wälder und Dörfer spazieren, sie gehen wie meine Hunde mit mir mit und lassen sich auch prima herrufen (auf You Tube gibt es ein paar Videos dazu). Meinen Deckhengst Brandy reite ich ohne Sattel und nur mit einem Stallhalfter. Und wer sich mit Pferden und vor allem mit Hengsten auskennt weiß, dass ich damit nicht den Hauch einer Einwirkung auf ihn habe.

In unserer Straße hält ein Bauer in einem großen Areal zwei Nandus, straußenähnliche Vögel. Diese beiden Burschen haben von einem Tag auf den anderen beschlossen, sobald wir auftauchen von 0 auf 100 Vollgas auf uns zuzurennen, sich drei mal so groß aufzuplustern und ganz fürchterliche Geräusche von sich zu geben. Mein Hengst ist beim ersten Mal so erschrocken, dass er fast umfiel. Neben uns ein elektrischer Weidezaun, also eine sehr ungünstige Situation. Es wurde jeden Tag schlimmer. Er erschrak jedes Mal mehr, wollte durchgehen, und die Nandus wurden immer fieser. Ich fragte den Bauern, warum die das machen und er sagte, dass ihnen das Spaß macht. Bei anderen Reitern machen sie das nicht. Na toll. So kam der Tag, dass Brandy sich weigerte, auch nur einen Schritt in die Richtung zu machen. Ich stieg ab und wollte ihn führen, ich extra souverän vor ihm, damit er sieht, dass ich keine Angst habe. Keine Chance. Ich muss aber da vorbei, sonst kann ich nie wieder ausreiten.
Und so gab ich ihm, sobald er fünf Meter vor dem Zaun schon die Bremse reinhaute von oben ein Leckerli und wartete. Ein Schritt weiter das Nächste. Direkt vor dem Gehege als er gerade losrennen wollte hielt ich ihn an und gab ihm wieder eines. Um die Sache kurz zu machen: Er geht jetzt jedes mal von alleine direkt ohne zu zögern auf die Viecher zu, hält dort an, dreht den Kopf zu mir hoch und verlangt sein Leckerli, obwohl die Vögel dabei toben vor Wut (und vermutlich auch vor Frust, weil wir nicht mehr erschrecken).

Ich und auch er selber haben ihn umkonditioniert. Ein Schreckauslöser, der ihn eigentlich zur Flucht treibt, um sein Leben zu retten, hat sich für ihn zu einem Auslöser für etwas Positives gewandelt.

Habe ich durch die Leckerli seine Angst verstärkt? Nein, natürlich nicht. Hab ich ihn belohnt für die Emotion Angst? NEIN. Ich habe ihm die Nandus im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft gemacht.



Den Hund bei Angst trösten?

Diese Frage stelle ich immer am Ende meiner Vorträge. Die Hauptantwort ist dann immer: "Nein, denn damit bestärkt man die Angst!"
Wie soll das gehen? Wie kann man Angst durch Trost und Zuspruch, dem sogenanntem Social Support bestärken?

Angst ist ein Gefühl. Ein lebensnotwendiges Gefühl. Angst macht den Körper bereit zu Fliehen oder Anzugreifen. Alternativ dazu wäre das Einfrieren oder das Rumhibbeln noch möglich. Angst kann nicht willentlich ausgelöst werden. Es ist eine Emotion und kein Verhalten.

Angst kann nur durch noch mehr Angstauslöser verstärkt werden, aber mit Sicherheit nicht durch Trost, Zuspruch, Stärke des einzigen Sozialpartners, den so ein Hund hat. Seinem Menschen.

Warum tröstet oder beruhigt man einen ängstlichen Mitmenschen oder ein Kind, welches Angst hat? Weil es dieser Person hilft. Beistand ist wichtig. Wer ein Fünckchen Empathie hat, der kann Beistand bieten. Das macht man aus dem Bauch heraus. Soziales Verhalten. Trösten schafft gute Gefühle. Dem der getröstet wid und auch dem, der tröstet.

Stellen Sie sich eine Situation vor in der der Sie so richtig Angst haben. Im Wartezimmer eines Zahnarztes zum Beispiel. Sie wissen, dass Ihnen die nächsten 3 Stunden der Kiefer aufgemeißelt wird und das Ganze mit Schmerzen verbunden sein wird. Der einzige Mensch, dem Sie vertrauen, die einzige Bezugsperson die Sie haben ist bei Ihnen. Sie artikulieren Ihre Ängste, doch diese Person ignoriert Sie oder tut Ihnen sogar weh. Wie wäre das für Sie? Richtig, das verstärkt Ihre Angst. Wenn diese Person hingegen Ihre Hand hält, sie umarmt, Ihnen verspricht, dass es vielleicht gar nicht so schlimm sein wird, wie Sie glauben...es würde Ihnen gut tun. Mit Sicherheit.

Reiter wissen schon, warum man ein ängstliches Pferd beruhigt. Schon alleine aus Selbstschutz. Denn die Chance von einem scheuenden oder durchgehenden Pferd herunterzufallen, ist recht groß. "Hooooo! Ruhig!" sagt man und täschelt dem Tier den Hals. Wird das Pferd dadurch unruhiger? Wohl kaum.

Nun darf man also ängstliche Mitmenschen trösten und beruhigen, Kinder, Pferde, andere Tiere... nur bei Hunden soll es auf einmal falsch sein, und exakt das Gegenteil bewirken? Wie soll das möglich sein? Bei dem Wesen, dass uns Menschen so ähnlich ist?

Das Ganze mal in neurobiologisch:
Angst erzeugt das Streßhormon Cortisol, welches den Körper bereit zu Flucht oder Angriff macht. So, nun beginne ich, den Hund zu streicheln, ihm liebevoll zuzureden. Dadurch produziert der Körper das sogenannte Bindungs- und Kuschelhormon Oxytozin. Diese Hormon ensteht im Körper des Streichelnden und im Körper desjenigen der gestreichelt wird. Leute genießen es, stundenlang ein schnurrendes Kätzen auf ihrem Schoß zu streicheln. Und das Kätzchen auch. Beide produzieren Oxytozin. Es entsteht bei einer Mutter, die ihr Baby auf dem Arm hält. Es entsteht beim Geschlechtsverkehr. Es entsteht bei meinem vier Chuhuahuamädels, die bei meinen Freunden stundenlang auf dem Schoß sitzen und von ihnen gestreichelt werden. Bei denen natürlich auch. Deswegen machen sie es ja.

Je mehr ich einen ägstlichen Hund streichele, mich ihm zuwende, ihm liebevoll anspreche, desto mehr Oxytozin wird in seinem Körper gebildet. Und je mehr das Wohlfühlhormon Oxytozin gebildet wird, desto schneller wird das Streßhormon Cortisol von Körper abgebaut. Ein gutes Gefühl löscht ein schlechtes Gefühl. Immer.

Daher bitte: Trösten Sie ihren Hund, wenn er Angst hat, wenn es ihm schlecht geht. Sei es an Silvester, sei es bei Gewitter und bitte auch im Wartezimmer beim Tierarzt. SITZ!, PLATZ! oder Leinenrucks, wie ich es gerade da immer wieder sehe, helfen ihm in keinster Weise, und er wird in der Angst auch nicht SITZ! oder PLATZ! machen können. Denn sein Körper ist fluchtbereit.


Mail einer Hundehalterin, die nie bei mir Unterricht hatte, aber anhand dieser Texte meine Philosophie erfasst und umgesetzt hat:

Sehr geehrte Frau Windisch,
ich möchte Ihnen gerne mit einem „Leserbrief“ meine absolute Begeisterung mitteilen!

Ganz im Sinne Ihrer Philosophie habe ich begonnen, diese – auch wenn wir uns noch nicht kennenlernen konnten – anhand Ihres Niedergeschriebenen einfach mal zu testen und anzuwenden.

Mir sind so viele Lichter aufgegangen, seit ich auf Sie und Ihr Konzept aufmerksam geworden bin. Ich hinterfrage tatsächlich, was das wahre vermenschlichen ist? Ist es den Hund seinen hündischen Bedürfnissen nachgehen zu lassen? Ihn schnuffeln, juckeln, in Ruhe fressen und in Ruhe schlafen zu lassen? Vermenschlicht man ihn, nur weil man ihn nicht aus so einer Situation im wahrsten Sinne des Wortes „herausreißt“ und seine Allmacht als „Rudelführer“ demonstriert? Oder ist das wahre vermenschlichen den Hund mit sitz, platz, aus, pfui, nein zu drillen? Mit menschlicher Sprache und Begriffen, die er nur anhand von Aktion und Reaktion kennen und verstehen lernt? Ich kann Ihnen sagen: Ich möchte das nicht mehr!

Ich habe immer gesagt: mein Hund ist ein gleichwertiges Familienmitglied, er lebt mit uns in einer liebevollen Gemeinschaft – aber kann ich wirklich sagen, dass es so war? Konnte ich das wirklich so leben?

In meiner Selbstreflektion erkenne ich, dass ich zu keinem Menschen in meinem engeren Umfeld im täglichen Miteinander sitz, platz, aus, geh, nein, gib, lass das sage bzw. ständig maßregele usw.. Dort akzeptiere ich jeden wie er ist.

Und ja, ich dachte auch immer, ich akzeptiere meinen Hund wie er ist, aber das tat ich nicht, und das tut mir rückblickend sehr leid für ihn und sehr leid für unsere schon gemeinsam verbrachten Tage. Ich liebe meinen Hund von ganzem Herzen, war niemals grob oder angsteinflößend, aber ich denke es gibt so viele kleine Differenzen zwischen uns, weil jeder sich ein Stück weit „verstellt“.

Seit ich begonnen habe, ihn nun wirklich zu akzeptieren wie er ist, dass er eben gerne mal „sagenhafte“ 40 Sekunden (welch ein Drama J) schnuffelt, seine 5 Minuten hat oder in die Leine beißt. Nichts von all dem ist von langer Dauer und er genießt es diese kleinen Bedürfnisse auszuleben.

Das in die Leine beißen hat mir eine Zeit lang wirklich den letzten Nerv geraubt. Heute lasse ich es bewusst zu (räusper* ich übe noch J) und dann zerrt er 2 Minuten daran rum und dann wird es sowieso uninteressant. Oder er trägt die Leine stolz wie Oskar nach Hause J Ich kann mir nicht erklären, wo da zuweilen mein Problem lag.

Meine Selbsterkenntnis: OHNE Druck und Befehle, Maßregelung, Auflagen und all dies, gibt es keinerlei Spannungen mehr in mir selbst und das überträgt sich auch auf Chico! Hat er etwas vom Boden aufgehoben, und ich war nicht schnell genug, dann habe ich mich furchtbar geärgert und bin nach Hause gestampft wie eine Zweijährige die ihren Lolli verloren hat J Oft sieht man ja schon von Weitem, dass da z.B. ein Hähnchengerippe liegt. Ganz in seinem Sinne, habe ich ihn gestern zum ersten Mal zu einem kostenlosen Buffet gelassen. Es tat nicht weh, es war nicht schlimm, es war einfach mein Hund, der einen Knochen gefunden hat und ihn zum ersten Mal behalten durfte.

Das traurige daran ist nicht, dass andere vielleicht denken, mein Hund ist nicht erzogen und hebt alles von der Straße auf, das traurige ist WIE mein Hund den Knochen gekaut hat. Er hatte wirklich damit gerechnet, dass es ruckartig weitergeht und er das Ding verliert. Allein, wenn ich seine Augen gesehen habe, dann weiß ich, dass ich etwas an mir und meinem Umgang in solchen Situationen ändern muss.

Dank Ihrer Philosophie, Frau Windisch, weiß ich nun, dass es auch anders geht, das es mit wirklichem Verständnis für das natürliche Wesen des Hundes geht, ohne dem Gedanken im Nacken, der Hund tanzt einem auf der Nase herum.

Es ist sicher am Anfang nicht leicht, die alten Gewohnheiten und das Erlernte von meiner Hundetrainerin ausschleichen zu lassen, aber ich tue es mit der Konsequenz mit der ich es auch gelernt habe.

Die Welt braucht definitiv mehr Hundetrainer wie Sie! Jedem dem ich davon erzähle, der rümpft erstmal die Nase und sagt, das geht nicht. Ein Hund BRAUCHT Regeln und eine klare Führung, der WILL eine Aufgabe, den kannst du nicht einfach machen lassen, wie er denkt.

Ich kann Ihnen sagen, ich habe vom einen auf den anderen Tag die Kommandos abgeschafft – und ich, die immer überzeugt davon war, dass ich nichts mehr BRAUCHE als diese – wie man es eben in den Hundeschulen lernt, wurde eines Besseren belehrt. Ich bin wirklich begeistert. Ich gestehe, ich hatte Bedenken, dass sich etwas ändert er Anfängt mich nicht mehr ernst zu nehmen – ganz im Gegenteil! Ich habe das Gefühl, er fühlt sich endlich verstanden.

Ich lasse meinen Hund auf den Gassirunden so lange schnuppern und erkunden wie er es braucht. Und auch hier ist das Resultat der Wahnsinn! Er ist dadurch so ausgeglichen, läuft sogar neben mir, anstatt immer vornewegzuziehen. Ich habe quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er zieht nicht mehr an der Leine und er ist total ausgeglichen und Entspannt, sogar bei Hundebegegnungen. Ich habe nun den Eindruck, dass Ziehen resultiert daraus, dass er durch das ständige weggezerre und weitergeschiebe einfach Angst hat etwas zu verpassen und daher so agiert hat.

Ich bin weniger auf Hektik auf unseren Runden, sondern genieße es, wenn er eine Eichel kaut, oder ein Taschentuch zerpflückt oder ganz gebannt ein Eichhörnchen beobachtet, dann setze ich mich daneben und wir schauen zusammen. Wir sind quasi beide binnen einer Woche so viel entspannter geworden. Hier ist mir eins ganz klar aufgefallen: ich dachte immer, wenn ich ihn jetzt hier den Tannzapfen kauen lasse, dann komme ich eine Stunde nicht vom Fleck. Was für ein Quatsch!!! 2 Minuten ist dies interessant und dann riecht es schon wieder ganz anders in irgendeiner Ecke. Also warum ihm dieses kurze Vergnügen nicht gönnen?

Die neugewonnene Gelassenheit ist für uns beide toll. Ich habe gemerkt, ich muss mir nicht jeden Tag nach unserer Runde noch ein Suchspiel einfallen lassen, weil ich denke, ihm könnte das Gassi nicht ausgereicht haben, denn er BRAUCHT ja noch etwas für den Kopf, damit er richtig schön ausgelastet ist und ihm nicht langweilig ist. Wir kommen heim, und dann legt er sich zu mir. Manchmal habe ich das tatsächlich als Langeweile interpretiert, aber nicht, weil es unbedingt mein Empfinden war, sondern weil man es an jeder Ecke liest und hört und man in diesem ganzen „Du musst, und dein Hund muss“-Wirrwarr einfach ertrinkt.



Warum ich sogenanntes Fehlverhalten NIEMALS bestrafe, sondern ganz im Gegenteil...:

Zu mir kommen in der Regel Hundehalter mit "Problemhunden". Lassen wir dieses Wort einfach mal so stehen. Was auch immer einen Problemhund als solches definiert... für den Hundehalter ist es nun mal ein Problem, und das ist zu akzeptieren, das ist ernst zu nehmen.

Nehmen wir mal Probleme wie Wut oder Aggression. Mit diesen Problemen kommen die Hunde nicht auf die Welt, sondern sie sind in der Regel vom Menschen gemacht. Hunde sind Weltmeister im Konflikte vermeiden. Dafür hat die Natur ihnen eine Palette von sogenannten Calming Signals (auf Deutsch ein bißchen unglücklich als "Beschwichtigungssignale" übersetzt) mitgegeben. Wenn man sich ein bißchen mit den Calming Signals beschäftigt, wird man festestellen, dass die den sogenannten Verlegenheitsgesten von uns Menschen nicht unähnlich sind.

Da wir Menschen uns allerdings sehr schwer tun, die Körpersprache der Hunde zu verstehen und richtig zu interpretieren (im Gegenzug verlangen wir genau das aber ständig von unseren Hunden), kommt es ziemlich oft zu Mißverständnissen zwischen Mensch und Hund und aber auch zu Problemen zwischen zwei Hunden, für die wir verantwortlich sind, weil wenig Hundehalter wissen, dass das Wahren von Individualdistanzen oder das Bewachen von Ressourcen für Hunde wichtig und normal ist. Auch für uns ist das wichtig, und auch wir wollen diesbezüglich verstanden werden.

Nun hat es also der Mensch geschafft, und der Hund zeigt plötzlich aggressives Verhalten, welches sich immer mehr steigert. Ein Verhalten wird durch eine Emotion ausgelöst. Emotionen kann man nicht steuern, sie entstehen von innen. Und man kann Emotionen weder bestrafen noch belohnen, da sie nicht auf Knopfdruck abrufbar sind. Negative Emotionen zu haben ist nichts Schönes: Weder für den Menschen noch für ein Tier. Niemand genießt es voller Wut, voller Hass, voller Ekel, voller Trauer oder voller Angst zu sein. Und diese Emotionen kann ich nicht bestrafen. Weil sie einfach da sind.

Was passiert aber nun, wenn ich einem wütenden, tobenden, vor Wut schäumenden Hund ein Leckerli gebe? Oder liebevolle Worte? Oder Streicheleinheiten?
Bestätige ich damit nicht die negativen Emotionen? Nein, das ist neurobiologisch nicht möglich, denn ich kann Gefühle, die von innen kommen, nicht bestätigen. Weder Negative noch Positive. Ich kann negative Gefühle nur duch Negatives verstärken und positive Gefühle nur durch Positives verstärken.

Aber als verantwortungsvoller und liebevoller Hundehalter (und Homo Sapiens) kann ich negative Gefühle in positive Gefühle umwandeln. Beim Menschen übrigens ebenfalls:
Stellen Sie sich vor, Sie sind gestresst, nervlich am Limit, -zig Termine, bekommen noch eine falsche Stromabrechnung, eine Steuernachzahlung, Krach mit dem Chef und und und. Der Nächstbeste, den sie sehen bekommt alles geballt ab. Und plötzlich drückt ihnen diese Person oder sonstwer 1000 Euro in die Hand. Wären Sie dann noch wütender? Wohl kaum. Sie wären komplett aus Ihrem Wutfilm draußen. Positiv überrrascht. Glücklich. Schuldenfrei. Sorgenfrei. Tralalalala, die Welt ist schön. Und immer wenn es Ihnen so richtig dreckig geht, passiert wie durch ein Wunder etwas Großartiges. Das Leben ist auf einmal wieder schön. Sie wären immer entspannter. Aber eines würde mit Sicherheit nicht passieren: Sie würden diese negativen Emotionen mit Sicherheit nicht dadurch verstärkt wieder bekommen oder sich bestätigt fühlen. Sie könnten diese auch nicht auf Knopfdruck jederzeit zeigen, denn Sie sind kein ausgebildeter Schauspieler, und selbst wenn Sie einer wären, wäre es nur gespielt, aber niemals echt und wahrhaftig.

Daher: Werden Sie zur guten Fee für Ihren Hund:
Verwandeln Sie negative Emotionen in positive.
Versüßen Sie unangenehme Situationen und Augenblicke.
Denken Sie an die Snickers Werbung..."...wenn Du zur Diva wirst..."
Und nicht nur bei Ihrem Hund, sondern auch bei den Menschen, die Ihnen nahe stehen. Werden Sie ein guter Sozialpartner. Und bedenken Sie: Ihr Hund hat nur Sie - und er liebt sie.

Ablegen

Ein Pferd legt sich hin, und alle sind verzückt.
Ein liegendes Kätzchen wirkt entspannend auf uns.
Liegenden Kleintiere wirken vertrauensvoll und unschuldig.
Alle legen sich hin, wenn sie sich sicher fühlen, müde sind und ruhen möchten. Auch wir. Wir legen uns hin, nicht wahr?

Aber bitte auf keinen Fall ein Hund!!! Der muss ABLIEGEN!
Einen Hund legt man ab. Wie einen alten Putzlumpen. Wie einen Gegenstand. Den legt man auch ab. Wenn man ihn nicht mehr braucht. Warum legt man andere Haustiere nicht ab? Warum gerade Hunde?

Wird nicht ständig darum gekämpft, dass Tiere vor dem Gesetz nicht als "Sache" behandelt werden? Warum werden Hunde aber vom Hundehalter als Sache behandelt?

Was unsere besten Freunde mit uns alles mitmachen müssen, ist schon immer wieder merkwürdig. Kann man sie nicht einfach Hund sein lassen und dennoch eine gechillte Zeit mit ihnen verbringen?


Halsband vs. Brustgeschirr

Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, warum man ein lebendes, fühlendes Wesen mit einem Halsband und nicht an einem gutsitzenden Brustgeschirr sichert, und warum es Hundetrainer gibt, es es echt nicht schaffen, einen Hund ohne Schmerzen dazu zu bringen, gelassen an der Leine zu gehen. Das sollten sie doch eigentlich in ihrem Job können oder?

Und nein, es gibt keinen Hund, der nicht mal doch an der Leine zieht, und selbst wenn er es angeblich nicht tut - sein Halter zieht ständig am Hund rum, ohne es zu merken. Es gibt keinen einzigen Grund, seinen vierbeinigen Freund am empfindlichsten Körperteil festzumachen.

"Mein Hund braucht ja eigentlich keine Leine..." - "Warum haben Sie dann eine dabei?"

Meine wunderbare Schäferhündin Bianca braucht draußen auch keine Leine, und genau deswegen hat sie beim Rausgehen immer ein Brustgeschirr an, denn genau da kann ich im Notfall mal beherzt reingreifen.

Würden Sie das mit einem Kind machen, käme sofort das Jugendamt - aus gutem Grund.

Würden Sie das mit ihrem Partner machen, wäre das Erregung öffentlichen Ärgernisses.



Gewalt fängt da an, wo Wissen aufhört.


"...und ich glaube, ich verwöhne ihn zu sehr....",

sagen viele Kunden im Erstgespräch verlegen zu mir.
"Wie verwöhnen?", frage ich darauf hin und assoziiiere damit, dass Unmengen von Leckerchen in das Hundi reingestopft werden.
"Na ja...er darf auf die Couch und mit ins Bett", gestehen sie darauf hin und erwarten merkwürdigerweise ein Donnerwetter oder eine spöttische Bemerkung von mir.
"Ein Hund MUSS mit auf die Couch dürfen, und wenn es geht auch
mit ins Bett!" erwidere ich darauf hin. "Das stärkt die Bindung."
Warum soll ein geliebtes Familienmitglied nicht auf Couch und Bett dürfen, wenn es Ihnen ein Bedürfnis ist, die Liebe und die Wärme Ihres vierbeinigen Freundes auch nachts und beim Entspannen zu spüren?
Was sollte infolge dessen Schreckliches passieren? Der dritte Weltkrieg? Die Machtübernahme Ihres Hundes Ihnen gegenüber? Füttert er Sie dann in Zukunft? Streichelt ER dann SIE? Bringt er Sie dann zum Arzt, wenn Sie krank sind? Woher die panische Angst, ein Wesen, welches Sie mehr liebt als ein Mensch Sie jemals auch nur annähernd lieben kann, mit Liebe und Nähe zu verwöhnen? Wie kann Liebe geben einen negativen Effekt haben?
Ist die Welt überzogen von Krieg, Hunger, Elend, Hass und Terror, weil es zuviel Liebe gibt.


"Der muss doch endlich kapiert haben, dass er das nicht darf!"


Nein, muss er nicht, und kann er nicht.

Unsere dem Hund auferlegten Gesetze, Regeln und Grenzen mögen für uns ganz praktisch sein. Aber die Erwartungshaltung, dass Fiffi Herrchens selbstgebasteltes herrisches Gesetzbuch incl. der 10 Gebote mit seinem IQ eines zweijährigen Kindes auswendig kann und logisch nachvollziehen kann, ist absurd. Ein Hund lebt in einer völlig anderen Welt mit völlig anderen Regeln und Gesetzen.
Das wäre eine üble Form der Vermenschlichung von einem Tier zu erwarten, diese unsere westliche Welt zu verstehen. Wir sind zwei unterscheidliche Spezies. Was uns verbindet ist die Liebe zueinander, wobei die Liebe seitens des Hundes zu uns wohl die unsrige zu ihm um einiges übersteigt.

Wenn wir aufhören zu erwarten, dass der Hund unsere Regeln, Grenzen und Gesetze sich gebetsmühlenartig eintrichtert, dann schaltet sich beim Nichtbefolgen unsere Wut, unsere Enttäuschung und unser Frust auf ihn komplett zurück.
Und so kann ich ihm situativ völlig ohne Streß zeigen, was ich gerne von ihm hätte. Und zwar freundlich, klar und repektvoll.Das was wir doch immer von unseren Hunden erwarten, stimmts?

Meine 5 Mädels kennen kein einziges Kommando. Ich habe sie noch nie geschimpft, gestraft, ja nicht mal die Stimme ihnen gegenüber erhoben. Genausowenig meine Pferde. Und dennoch wirken sie auf andere Menschen als freundliche und wohlerzogene Wesen.

Wenn ich sie fröhlich rufe, so wie ich einen geliebten Menschen rufe, dann kommen sie. Wenn ich leise und freundlich ihren Namen sage (darauf bekomme ich einen neugierigen, erwartungsvollen Blickkontakt, den ich sofort liebevoll verbal bestätige), dann brechen sie jede Situation ab. Für mich. Weil sie es so wollen und nicht weil sie es müssen.

In diesem Sinne - seien Sie freundlich und üben Sie sich in Selbstdisziplin, anstatt die Hunde zu disziplinieren.

"Jetzt pack' ihn zur Strafe am Nacken

und schüttle ihn so richtig durch! Die Hundemutter straft ihre Welpen auch so!"

Wen oder was packt ein Hund am Nacken und schüttelt ihn so richtig durch?

Richtig - seine Beute. Mit dem Ziel, ihr so schnell und effektiv wie möglich das Genick zu brechen.

Wenn Sie Ihren Hund zur Strafe am Nacken packen und/oder ihn dabei schütteln, dann ist es, wie wenn Sie ihrem Kind zur Strafe eine Pistole an die Schläfe halten.
Für den Hund ist klar, dass er jetzt sterben wird. Dass Sie gewillt sind ihn zu töten. Können Sie sich vorstellen, was das für Ihre weitere Beziehung bedeuten kann? Würden Sie jemals wieder einer Person trauen, die Sie umbringen wollte?

Und nein, Hundemütter schütteln ihre Welpen nicht. Sie nehmen den vorderen Bereich des Körpers in den Fang, um die Welpen von A nach B zu tragen. Keine Hundemutter würde den Tod ihrer Welpen in Kauf nehmen. Das wäre kontraproduktiv.

Bitte bedenken Sie, dass Sie der einzige Sozialpartner Ihres Hundes sind. Er liebt Sie und braucht Sie.


Hunde bellen. Das ist ihre Sprache

und bedeutet so gut wie alles.
Wie unser menschliches Geplapper.

Wenn eine Katze miauend heim kommt, finden wir es niedlich.
Wenn uns unser Pferd entgegend wiehert, sind wir verzückt.
Singen Vögel, sind wir glücklich.
Krötenquaken oder Grillenzirpen sagt uns: Es ist Sommer und Urlaubsstimmung macht sich breit.
Wenn Kühe muhen, merken wir, dass wir auf dem Land sind. Oft machen wir es scherzend nach.
Bellt hingegen unser Hund, werden wir wütend, und das arme Viech kriegt eins auf die Mütze.

Ist es nicht merkwürdig, dass das Gebell eines Hundes das einzige tierische Geräusch ist, auf welches wir mit Aggression reagieren?

Wenn ein Hund bellt, ist er in der Regel erregt. Das kann eine positive Erregung sein, aber auch eine negative Erregung.
Eine positive Erregung wäre beispielsweise, wenn er als Spielaufforderung bellt, bzw. während des Spieles. Oder er bellt, weil er raus muss oder weil er sich aufs Essen freut (da wird es mit unserer Toleranz schon kritisch - er hat sich nicht zu freuen).

Negative Erregung wäre, wenn er meldet. Das ist sein Job, den er seit 15.000 Jahren macht. Eine deutliche Ansage an uns: "He, da kommt wer! Mach das weg, Frauchen!" Oder bei Hundebegegnung. Auch da wird gebellt. "Geh weg!" heißt das, "bleib mir vom Leib!" Bei jeder Form von Streß, Wut, Angst, Unsicherheit. "Hilfe! Hört mich jemand?" rufen einsame Hunde aus Wohnungen oder Gärten, die stundenlang auf ihren Menschen warten müssen.

Wie würde es Ihnen gehen, wenn Ihr einziger Sozialpartner Sie dafür maßregeln würden, wenn Sie eine negative Erregung verbalisieren würden? Was erwarten Sie von Ihrem Sozialpartner in einer solchen Situation?
Richtig: Beistand. Verständnis. Hilfe.
Was sonst?
Und genauso geht es unseren Hunden. Sie haben nur uns. Nur wir können sie aus so einer Situation emotional herausholen. Aber bitte nicht mit Strafe und Maßregelung.
Sondern mit Verständnis, beruhigendem Zuspruch, Ruhe, Empathie und Sicherheit.
Natürlich ist das der unbequemere Weg, denn man muss Geduld und Einfühlungsvermögen haben. Etwas, was den Menschen in dieser schnelllebigen Zeit leider oft abhanden gekommen ist.

Daher: Ihr Hund ist Ihr bester Freund - Werden Sie der Seine!
In jeder Situation.
Durch Dick und Dünn.


Beim Tierazt

Ohne SITZ! PLATZ! oder endlosen Leinenrucks. So sieht es bei uns aus, wenn wir uns im Wartezimmer eines Tierarztes oder einer Tierklinik befinden. Wie absurd wäre es ein Tier, welches zurecht aufgeregt ist oder aufgrund seiner Erfahrungen beim Tierarzt Angst hat, in eine Körperposition zu befehligen. Kein Hund erinnert sich an seine Dressurübungen, wenn er Angst hat. Sein Körper ist durchflutet vom Streßhormon Cortisol, welches ihn zur Flucht bereit macht. Daher ist es unsere Aufgabe als einziger Sozialpartner, unserem Hund in so einer Situation beizustehen, ihn zu beruhigen, bzw. zu trösten. Erinnern Sie sich bitte daran, wie es Ihnen bei einem Zahnarztbesuch im Wartezimmer geht, wenn Sie wissen, dass Ihnen eine schmerzhafte Behandlung bevorsteht. Wäre es nicht schrecklich, wenn Ihr Partner Sie dafür maßregeln würde?
Seien bzw. werden Sie empathisch - Ihr Hund hat nur Sie.

Anders als wir

Das Thema Flüchtlinge ist seit Jahren in aller Munde. Menschen, die in größter Not sind, finden in Deutschland einen Ort der Zuflucht. Hier finden sie Schutz, hier droht ihnen kein Krieg, keine Folter, keine Verfolgung, keine Todesstrafe. Das Asylrecht ist in der Verfassung festgelegt. Diese Menschen aus fernen Ländern sind gewiss anders als wir, die wir in Deutschland leben. Es befremdet uns. Aber ist Deutschland, ist der Deutsche an sich ein Maßstab für Perfektion? Ein Mensch aus einem Kriegsgebiet ist auch ein Mensch und ist für seine Maßstäbe ein perfekter Mensch. Wir urteilen über diese Menschen und erwarten, dass sie genauso wie wir sind. Dass sie sich so kleiden wie wir, dass sie sich so verhalten wie wir, dass sie sprechen wie wir, dass sie die gleichen Moralvorstellungen haben wie wir, dass sie die gleiche Religion und Tradition pflegen wie wir. Sind wir das Mass aller Dinge? Warum? Sind Deutsche die Krone der Schöpfung? Der perfekte Homo Sapiens?

Und dann kommt ein Hund zu uns ins Haus. Ein Hund, den wir uns freiwillig holen. Ein Hund, den wir zu uns holen, weil wir Hunde lieben.
Aber auch seine Andersartigkeit dulden wir nicht. Wir wollen, dass sich dieser Hund verhält wie wir, denkt wie wir, die gleiche Sprache spricht wie wir, die gleichen Moralvorstellungen hat wie wir, die gleiche Hygienevorstellung hat wie wir, ein Rechts- und Unrechtsbewußtsein hat wie wir, die gleiche Erziehung erhält wie wir, die gleichen Wertvorstellungen hat wie wir und und und. Die Liste könnte endlos fortgeführt werden.

Ein Hund ist ein perfektes Wesen. Genauso wie ein Schnecke, ein Kamel, ein Löwe, eine Ameise. Nur wir erwarten scheinbar, dass sich unser Hund wie ein "guter Deutscher" verhält.

Ist das friedliche Zusammenleben zweier unterschiedlicher Spezies wirklich so schwierig?

Vom Stachelwürger zum Brustgeschirr in einer Unterrichtseinheit

In einem meiner Hundehotels sah ich am Aufzug eine Dame mit einer Dogge mit Stachelwürger, an dem sie gestresst herumriß. Ich sprach sie freundlich an, um das Thema zu diesem Folterinstrument überzuleiten. Als sie erzählte, dass sie den 2 jährigen (unkastrierten) Rüden anders nicht halten könnte, bot ich ihr auf der Stelle eine Unterrichtsstunde an, in der sie danach mit dem Hund an der durchhängenden Leine am Brustgeschirr gehen könnte. Ohne zu überlegen sagte sie sofort zu.

So tauschten wir den Stachelwürger gegen ein gutsitzendes Brustgeschirr mit Kehlkopf- und Schulterfreiheit.
https://www.stake-out.de/…/fuehrgeschirr-classic-uni-ohne-b…
und einer 1-Meter-Leine mit Handschlaufe.

Die Hundehalterin bekam nun die Instruktion von mir, sich einfach entspannt hinzustellen und mal wirklich nichts zu tun. Einfach stehen und den Augenblick genießen. Wenn der Hund zieht, geerdet stehen bleiben und sich den Arm bis zum Anschlag rausziehen lassen - und da ist dann wirklich Ende Gelände. Das schafft auf Anhieb kein Hundehalter. Aber genau das erwartet jeder Hundehalter von seinem Hund. Dass er egal was passiert, ruhig und entspannt steht. Jetzt erst erkennen die meisten Hundehalter, dass das fast nicht machbar ist. Weil wir nicht bei uns bleiben können. Weil wir immer im Außen sind. Merkt der Hund, dass wir in so einer Situation NICHT ins Kämpfen kommen, nicht ins Maßregeln oder Korrigieren kommen, dann wird er in der Regel seinem Menschen einen Blickkontakt schenken, bzw. sich ihm annähern. In dem Fall drehte sich die Dogge, sobald die Leine straff war zu ihrem Menschen um und "wanzte" sich dicht an ihn heran. Körperkontakt suchen. Eine leise sanfte verbale Bestätigung, eine leichte sanfte Berührung half, diesen innigen Moment zu bewahren. Nach wenigen Minuten legte sich die 60 kg-Dogge entspannt hin. Natürlich. Das macht jeder Hund, wenn man wirklich mal nichts macht, was uns in der Regel nur zu Hause auf der Couch gelingt, da wir ansonsten im Kopf immer eines voraus sind. Weil wir nicht im Hier und Jetzt leben können. Müssen wir abends beim Fernsehen unseren Hund maßregeln, zur Ruhe bringen, ins PLATZ! befehligen? Wie leicht ist es, diesen Zustand des Seins, des Nichts Wollens einfach nach draußen zu transportieren.

Die Dogge hatte nun das erste mal von seinem Frauchen eine absolute Klarheit erfahren, die einfach nur gelassen und freundlich war und vor allem weit weg vom Wollen.

Und dies kann man 1:1 weiter in den Spaziergang an die Leine fortführen: Doggenfrauchen ging tiefenentspannt im Bummeltempo durch den Ort. Wollte der Doggenrüde schnüffeln, ging sie mit ihm zur Schnüffelstelle. Er gab ihr lediglich einen Impuls in die Hand, und sie begleitete ihn, ohne dass er sie ziehen musste, und sie ließ sich von ihm seine Interessen zeigen. Machen wir bei einem Spaziergang mit Kindern doch nicht anders, oder? Nur nach vorne blieben wir in unserem Bummeltempo, den wir auch bei einem Familien-Osterspaziergang machen würden. Der Effekt: Der Doggenteenager zog nicht mehr, da er die neutrale Erfahrung gemacht hat: Ziehen bringt nichts, denn wenn Frauchen steht, dann steht sie (hammer Erfahrung für einen Hund), und wenn sie geht, dann kann sie halt nicht so schnell. Und die zweite Erfahrung, die er gemacht hat war: "Frauchen ist klar, freundlich, gelassen, gütig, verständnisvoll - aber leider nicht so schnell. Macht aber nichts, ich bin draußen eh mit Schnüffeln beschäftigt - wie sind ja nicht auf der Flucht".

Und dann ging es ans Ableinen. "Und jetzt LAUF!" werden Hunde in der Regel angefeuert. Warum? Weil sie zu doof sind, zu laufen? Leine ich den Hund hingegen ab, und lasse ihn sanft entgleiten, dann wird er sich für uns entscheiden und nicht gleich weglaufen, sondern seinen Spaß und seine Unterhaltung im Freilauf dicht bei uns suchen und sich dementsprechend umso leichter herrufen lassen.

In diesem Sinne - seid nett zu Euren Hunden und beherrscht selber das, was Ihr von ihnen erwartet 😉



Trost

Nach einem Wochenenendkurs  fuhr ich mit meinen Mädels wieder heim nach Oberbayern und machte zwischendurch eine kleine Pipipause für alle. Meine vierbeinige Freundin und Assistentin, die Schäferhündin Bianca galoppierte fröhlich über eine hoch gewachsene Wiese, übersah aber, dass diese zu Beginn einen kleinen Graben mit sich führte und stürzte in diesen hinein. Hinkend kam sie zu mir, setze sich mit der ärmsten Leidensmine neben mich und sah so arm und elend aus wie nie zuvor. Ihr rechtes Vorderbein hielt sie leidend nach oben und wirkte unendlich traurig. Ich bedauerte und tröstete sie, streichelte sie liebevoll über Kopf und Nacken, so wie jede Mutter es mit eine Kleinkind tun würde, welches gerade gestolpert ist. Unabhängig davon wie ernst oder nicht ernst die Folgen des Sturzes gewesen wären.

Hier ist ein Wesen, welches leidet. Was gibt es dabei zu überlegen? Es tat meiner Bianca in dem Moment einfach nur gut - egal ob es nur der Schreck oder wirklicher Schmerz ist. Mein Hund, dessen Sozialpartner ausschließlich ich bin, wendet sich in seiner Not an MICH.

Wie grausam wäre es, da nicht tröstend zur Seite zu stehen?
Wie um alles in der Welt sollte Trost Leid verstärken? Trösten ist ein Instinkt bei allen Wesen, die einen Hauch von Empathie besitzen und dient nur dazu, Leid zu mindern. Trost ist Empathie. Auch wenn Empathie leider den meisten Menschen - gerade im Zusammenhang mit Hunden - aberzogen wurde.

Fazit: Bianca hinkte nicht, war nicht verletzt, aber mein Mitgefühl hat sie gestärkt und ihr ein gutes Gefühl vermittelt. Ich war bei und mit ihr. In dem Moment als sie mich gebraucht hatte.


Eine liegt - alle liegen.

Warum in vielen Wesen die Fähigkeit zum Nachahmen vorhanden ist.

Kennen Sie das: Sie sitzen im Büro und gähnen, und sofort gähnt mindestens einer Ihrer Kollegen mit. Ist er ausgerechnet in der gleichen Minute müde geworden?

Oder das: Sie sitzen im klassischen Konzert, und zwischen zwei Stücken fängt ein Zuschauer das Hüsteln an, und sofort hüstelt der halbe Zuschauerraum mit. Sind tatsächlich alle Zuschauer erkältet?

Oder das: Eine Kuh legt sich hin und fängt das Wiederkäuen an - alle Kühe legen sich hin und käuen wieder.

Unser Gemeinschaftssinn lässt uns und auch die Tiere diese Handlungen unbewußt nachmachen. Kinder ahmen ihre Eltern nach. Tierkinder imitieren die Handlungen ihrer Eltertiere. SO lernen sie. Lernen durch Nachahmen. Die leichteste Art zu lernen. Eine unbewußte Art zu lernen.
Falls Sie einen Dialekt beherrschen, werden Sie ihn unbewußt ausgeprägter sprechen, wenn Ihr Gegenüber ihn ebenfalls benutzt. Und weniger, wenn Ihr Gesprächspartner gepflegtes Hochdeutsch spricht.

Sozialverhalten. Den Gemeinschaftssinn fördern.

Nun sieht man auf dem Foto mich (oder zumindest meine Beine) in meiner Mittagspause (wenn ich mal eine habe) in meinem Mittagspausenzimmer in unserem Haus. Ich sitze auf meiner Couch, habe mein Essen neben mir, den Fernseher angeschaltet und schaue einen entspannenden Film. Und meine fünf Hunde liegen auf bzw. neben mir.

Habe ich sie aufgefordert hochzuspringen und ins PLATZ! und ins BLEIB! zu gehen? Wohl kaum. Denn abgesehen davon, dass keiner meiner fünf Hunde ein Kommando kennt (habe ich all die Jahre bei keinem meiner vielen Tiere gebraucht), würde wohl kaum ein Hundehalter beim täglichen Fernsehen auf der Couch seinem Hund das Kommando zu einer andressierten Körperposition geben. Zumal fast jeder Hund zu Hause irgendwo herumliegt und schläft. Denn Hunde brauchen 18 - 20 Stunden Schlaf, und den nutzen sie, wann immer es möglich ist. Also ist dieses Foto eigentlich nichts Besonderes.

Wenn ich aber dieses Gefühl dieser Situation innerlich abspeichere und nach außen transportiere, dann erlebe ich eine wunderbares Phänomen: Meine Hunde ahmen mich nach. Und zwar immer - egal wie stressig es gerade ist. Weil wir eine Gemeinschaft sind. Weil wir zusammen gehören.
Und deshalb sitzen oder liegen meine Hunde immer dann, wenn ich es schaffe, innlich loszulassen und zu entspannen. Jeder Hundehalter kann das lernen. Und genau deswegen brauche ich keine Kommandos, habe aber auf den Punkt entspannte Hunde. Weil sie mich nachahmen.

Und das ist ein wichtiges Prinzip meiner Kurse, meines Unterrichtes, dessen was ich lehre.



Hunde sind unser Spiegel

Wenn Ihr Hund laut ist und schreit - schreien Sie nicht mit, sondern werden Sie umso leiser

Wenn Ihr Hund an der Leine reißt - reißen Sie nicht zurück, sondern bleiben Sie weich und bei sich

Wenn Ihr Hund aggressiv ist - begeben Sie sich nicht mit auf sein Niveau, sondern werden Sie weicher, liebevoller und umso freundlicher

Wenn Ihr Hund ängstlich oder unsicher ist - lassen Sie ihn nicht im Stich, sondern stehen Sie ihm in seiner Not bei - er hat nur Sie

Wenn Ihr Hund weint, jault oder winselt - unterstellen Sie ihm nicht, er sei ein Schauspieler, sondern trösten Sie ihn

Wenn Ihr Hund droht - drohen Sie nicht zurück, sondern ändern Sie die Situation. Für ihn.

Seien Sie klug, Seien Sie weise. Wollen Sie wirklich die Probleme Ihres Hund spiegeln und ihn somit darin bestätigen? Oder wollen Sie wie ein kluger und weiser Sozialpartner handeln und ein großartiges Vorbild sein, an dem sich Ihr vierbeiniger bester Freund orientieren kann? Er hat nur Sie.



Sind Sie perfekt?

Nein, mutmaßlich nicht. Das ist niemand von uns, auch unsere Hunde nicht.
Aber haben Sie schon mal etwas Dummes, etwas Unvernünftiges, etwas Falsches (so bezeichnet es unsere Gesellschaft) gemacht, am Ende gar gegen das Gesetz verstoßen (und sei es nur ein kleiner Schwindel bei der Steuererklärung). Haben Sie dafür Ärger bekommen?

Bestimmt.

Ist es nicht wunderbar, wenn in solchen Situationen der eigene (Ehe-)Partner oder beste Freund hinter einem steht, einem beisteht?

Lieber Leser, bitte schlagen Sie sich immer auf die Seite Ihres Hundes. Er ist Ihr Freund und nicht Ihr Gegner. Seien Sie MIT ihn und nicht GEGEN ihn. Er hat niemanden sonst auf der Welt, nur Sie. Er ist zu 100% von Ihnen abhängig. Statt ihn für ein von uns deklariertes "Fehlverhalten" zu strafen oder zu rügen, zeigen Sie ihm doch lieber, welches Alternativverhalten Sie von ihm möchten.

Seien Sie immer auf seiner Seite. Er hat nur Sie.

In diesem Sinne - Eva Windisch
www.mithundensein.de

Das Abbruchsignal

Heute las ich mal wieder, wie wichtig es doch ist, dass man seinem Hund ein Abbruchsignal antrainiert, und dass dies leider tausende von Wiederholungen und Übungseinheiten bedarf, bis dieses sitzt. Und mal wieder wie wichtig Regeln und Grenzen sind.

Belegt man den Namen seines Hunde IMMER positiv und hört endlich mit dem ständigen Genörgle und den vielen Maßregelungen auf, dann ist es das Leichteste der Welt, jede Situation sofort abzubrechen, indem man leise und sehr freundlich den Namen seines Hundes nennt, bzw ihn auf die Entfernung fröhlich ruft und sofort verbal freundlich bestätigt. Das muss ich nicht antrainieren oder tausendmal üben, sondern einfach machern - das ist eine Frage der Selbstdisziplinierung. DAS ist Kommunikation. Das ist Hundeflüstern.



Wie bastle ich mir einen Problemhund?
Leichte Anleitung für Jedermann in wenigen Schritten

Man nehme sich einen ganz normale Hund, statte ihn mit Halsband und Leine aus und unternehme den einen oder anderen Spaziergang. Bei jedem normalen hündischen Verhalten, wie dem Hinziehen zu einem anderen Hund, dem Beschnüffeln von Urin oder Kot, dem übermäßigen Begrüßen von Menschen, dem Bellen bei Unsicherheit oder einfach nur dem Vorwärtsdrang quittiere man dies bitte mit einem mehr oder minder kräftigen Leinenruck und einer aggressiven Ansage.
Wie? Das klappt noch nicht?

Dann nehmen Sie bitte ein Würgehalsband oder meine ganz neue brandheiße Empfehlung: Ein sogenanntes Zuggeschirr.

Dies zieht sich schmerzhaft unter den Ellenbogen (Achselhöhlen) mit einer dünnen Schnur zusammen und verursacht unsägliche Schmerzen.


Da die Viecher scheinbar zu dumm sind, unter Schmerz, Leid, Sauerstoffabschluß und Streß zu kapieren, dass sie ständig Fehler machen, und dann noch zu blöd sind, unsere Gedanken zu lesen und statt dessen das richtige Verhalten anzubieten, um diesen Schmerzen zu entgehen, basteln Sie sich somit einen wunderbaren Problemhund, der noch mehr an der Leine zieht, noch mehr in jeder Situation bellt und ganz schnell super aggressiv auf alles reagieren wird, und für sich den Rückschluß zieht, dass allein der Anblick von Menschen und Hunden mit Schmerz und Streß verbunden ist. Die Reaktion von Schmerz und Streß ist in der Regel Aggression.

Ruckzuck - fertig. War doch gar nicht so schwer, oder?

Ach ja, falls Sie eines Tages keine Lust mehr auf Problemhunde haben, haben sie A die Möglichkeit mit viel Liebe, und Geduld das Ganze wieder rückwärts aufzulösen oder B dem Hund noch mehr Schmerz und Leid zuzufügen, bis er gebrochen ist. Einfach mal SIXX einschalten, da gibt es genaue Anleitungen für Letzteres.
 Eine sehr gute Osteopathin aus München hat zu diesem Anti-Zieh-Geschirr gesagt:
"Es entstehen Schulterprobleme weil der Gurt auf das Schulterblatt bzw. das Gelenk drückt.
Wirbelsäulenprobleme wegen falschem Zug, gerade am Übergang Brustwirbelsäule/Lendenwirbelsäule.
Es entstehen Probleme am Vorderlauf, weil die Schulter fest wird."

In diesem Sinne - seid nett zu den Wesen, die Euch lieben


Fallbeispiel:

1 1/2 jähriger Schäferhundrüde, umkastriert.

Das Thema war, dass er draußen an der Leine zog und manchmal zu anderen Hunden hinwollte. Eine absolute Lapalie im Vergleich zu dem, was ich sonst erlebe. Wo ist da bitte auch nur annähernd das Problem?

HALLO???

Einen eineinhalbjährigen, unkastrierten Schäferhundrüden, der draußen nicht an der Leine zieht und nicht zu anderen Hunden hinwill, würde ich sofort zum Tierarzt schicken. Dieses Verhalten ist normal! Der Hund ist mitten in der Pubertät, der will alles sehen, erleben, fühlen, schmecken, riechen, erfassen, was es auf der Welt gibt. Und glücklich, fröhlich und voller Energie sein. Und das alles am liebsten gleichzeitig. Hunde sind keine seelenlosen Schlaftabletten. Wer bitte redet einem Hundehalter ein, dass das ein Problem ist? Dieses Wesen lebt! Gottseidank!
Sind Eltern besorgt, weil ihr 15jähriger Sohnemann Bravo liest und in die Disco will?

Ich betrat die Naturheilpraxis der Hundehalterin, besagter Rüde lag währenddessen tiefenentspannt unter deren Schreibtisch und hob gerade mal den Kopf.
"Ist das immer so, wenn hier jemand Fremdes reinkommt?" fragte ich. "Ja", lautete die Antwort, "er ist immer hier bei mir, wenn ich arbeitete." Enorm! Ein pubertierender Schnösel, der seinen Mensch und ruhige Eindrücke als Alltag erleben darf. Was kann es für einen Hund Schöneres geben?

Und nun erfuhr ich von der Dame, dass ich ihre letzte Hoffnung bin. Sie hatte einen angeblich gewaltfrei arbeitenden Hundetrainer da, der ihren Hund draußen mit einer Kette auf den Kopf bewarf, wenn er zog, und ihn mit dem Knie und der Fußspitze kickte. Da konnte es in der Gegend, aus der sie kam nur einen geben, und ich lag richtig mit meiner Annahme. Ob besagter Trainer die Sachkundeprüfung nach §11 vor dem zuständigen Vereninäramt abgelegt bzw. bestanden hat, lasse ich gerade überprüfen. Sie sagte, dass es bei dem Trainer toll funktioniert hat, als dieser da war, bei ihr jedoch nicht. Und was dazu kam war, dass der Hund danach total verstört und verängstigt war.

Kein Wunder, denn strafe ich einen Hund durch Erschrecken und Schmerzen, wird natürlich das Vertrauensverhältnis massiv zerstört. Stellen Sie sich mal vor, der Mensch, den Sie am meisten lieben, misshandelt Sie. Kommt bei Paaren manchmal vor. Ein Mann, der seine Frau schlägt, wird ihr Vertrauen natürlich verlieren, aber dennoch verlassen diese Frauen ihre Männer häufig nicht. Für viele unverständlich. Bei Hunden ist es nicht anders. Er wird seinen Menschen immer noch lieben, das steckt in ihm drinnen, aber vertrauen wird er ihm nie mehr, weil er weiß, wozu dieses unberechenbare Wesen fähig sein kann. Die Angst und Unsicherheit (bleibt.

Ein weiterer Trainer empfohl ihr ein Geschirr, bei dem eine dünne Schnur unter den "Achseln" (also den Ellenbogen) läuft und am Rücken zusammengeführt wird. Bei Zug auf der Leine schneidet die Schnur äußerst schmerzhaft in das Fleisch ein, (siehe Foto unten). Eigentlich schon tierschutzwidrig.

Als wir nach dem Vorgespräch losgehen wollten, erschrak ich: Der Hund stand da wie ein Dromedar, sprich, er hatte einen Buckel. Ein Schäferhund mit Buckel! Durch dieses Geschirr hat sich der Hund eine so schlimme Schonhaltung angewöhnt, um dem Schmerz zu entgehen, dass seine ganze Körperhaltung völlig krumm und schief war. Die Schulterfreiheit war begrenzt, er macht nur noch kurze Trippelschritte.
Wir tauschten sofort dieses Folterinstrument gegen ein gutsitzendes, weiches Y-Brustgeschirr. Dazu die 1-Meter-Leine. Und dann ging es endgültig raus.

Wie immer ließ ich erst den Hund im Stehen die Erfahrung machen, dass die Leine zu Ende ist, wenn sie zu Ende ist. Diese Erfahrung ist für den Hund völlig normal und unspektakulär, absolut nicht frustrierend, und er kommt ziemlich rasch auf die Erkenntnis, dass die Leine wirklich zu Ende ist, wenn sie zu Ende ist. Der Hund muss dazu nichts lernen. Nur der Mensch, denn der schafft es seltenst, dies durchzuziehen ohne ins Kämpfen zu kommen.

Die gleiche Erfahrung macht der Hund dann beim Gehen: Die Leine ist zu Ende, und es geht leider dennoch nicht schneller, auch wenn er zieht wie der Teufel. Eine neutrale Erfahrung, aus der fast alle Hunde rasch den Rückschluss ziehen, dass an der Leine ziehen nichts bringt. Es ändert sich nichts, alles andere wäre Energieverschwendung. So leicht ist das. Für die Hundehalter ein unglaublicher Akt der Selbstdisziplinierung. Einfach nur gehen. Die Hundehalter müssen lernen, nicht der Hund. Der braucht nur Rückschlüsse ziehen, mehr nicht. Und das muss ich ihm nicht mal beibringen.Da die Viecher scheinbar zu dumm sind, unter Schmerz, Leid, Sauerstoffabschluß und Streß zu kapieren, dass sie ständig Fehler machen, und dann noch zu blöd sind, unsere Gedanken zu lesen und statt dessen das richtige Verhalten anzubieten, um diesen Schmerzen zu entgehen, basteln Sie sich somit einen wunderbaren Problemhund, der noch mehr an der Leine zieht, noch mehr in jeder Situation bellt und ganz schnell super aggressiv auf alles reagieren wird, und für sich den Rückschluß zieht, dass allein der Anblick von Menschen und Hunden mit Schmerz und Streß verbunden ist. Die Reaktion von Schmerz und Streß ist in der Regel Aggression.

Ruckzuck - fertig. War doch gar nicht so schwer, oder?

Ach ja, falls Sie eines Tages keine Lust mehr auf Problemhunde haben, haben sie A die Möglichkeit mit viel Liebe, und Geduld das Ganze wieder rückwärts aufzulösen oder B dem Hund noch mehr Schmerz und Leid zuzufügen, bis er gebrochen ist. Einfach mal SIXX einschalten, da gibt es genaue Anleitungen für Letzteres.
 Eine sehr gute Osteopathin aus München hat zu diesem Anti-Zieh-Geschirr gesagt:
"Es entstehen Schulterprobleme weil der Gurt auf das Schulterblatt bzw. das Gelenk drückt.
Wirbelsäulenprobleme wegen falschem Zug, gerade am Übergang Brustwirbelsäule/Lendenwirbelsäule.
Es entstehen Probleme am Vorderlauf, weil die Schulter fest wird."

In diesem Sinne - seid nett zu den Wesen, die Euch lieben





Fallbeispiel:

1 1/2 jähriger Schäferhundrüde, umkastriert.

Das Thema war, dass er draußen an der Leine zog und manchmal zu anderen Hunden hinwollte. Eine absolute Lapalie im Vergleich zu dem, was ich sonst erlebe. Wo ist da bitte auch nur annähernd das Problem?

HALLO???

Einen eineinhalbjährigen, unkastrierten Schäferhundrüden, der draußen nicht an der Leine zieht und nicht zu anderen Hunden hinwill, würde ich sofort zum Tierarzt schicken. Dieses Verhalten ist normal! Der Hund ist mitten in der Pubertät, der will alles sehen, erleben, fühlen, schmecken, riechen, erfassen, was es auf der Welt gibt. Und glücklich, fröhlich und voller Energie sein. Und das alles am liebsten gleichzeitig. Hunde sind keine seelenlosen Schlaftabletten. Wer bitte redet einem Hundehalter ein, dass das ein Problem ist? Dieses Wesen lebt! Gottseidank!
Sind Eltern besorgt, weil ihr 15jähriger Sohnemann Bravo liest und in die Disco will?

Ich betrat die Naturheilpraxis der Hundehalterin, besagter Rüde lag währenddessen tiefenentspannt unter deren Schreibtisch und hob gerade mal den Kopf.
"Ist das immer so, wenn hier jemand Fremdes reinkommt?" fragte ich. "Ja", lautete die Antwort, "er ist immer hier bei mir, wenn ich arbeitete." Enorm! Ein pubertierender Schnösel, der seinen Mensch und ruhige Eindrücke als Alltag erleben darf. Was kann es für einen Hund Schöneres geben?

Und nun erfuhr ich von der Dame, dass ich ihre letzte Hoffnung bin. Sie hatte einen angeblich gewaltfrei arbeitenden Hundetrainer da, der ihren Hund draußen mit einer Kette auf den Kopf bewarf, wenn er zog, und ihn mit dem Knie und der Fußspitze kickte. Da konnte es in der Gegend, aus der sie kam nur einen geben, und ich lag richtig mit meiner Annahme. Ob besagter Trainer die Sachkundeprüfung nach §11 vor dem zuständigen Vereninäramt abgelegt bzw. bestanden hat, lasse ich gerade überprüfen. Sie sagte, dass es bei dem Trainer toll funktioniert hat, als dieser da war, bei ihr jedoch nicht. Und was dazu kam war, dass der Hund danach total verstört und verängstigt war.

Kein Wunder, denn strafe ich einen Hund durch Erschrecken und Schmerzen, wird natürlich das Vertrauensverhältnis massiv zerstört. Stellen Sie sich mal vor, der Mensch, den Sie am meisten lieben, misshandelt Sie. Kommt bei Paaren manchmal vor. Ein Mann, der seine Frau schlägt, wird ihr Vertrauen natürlich verlieren, aber dennoch verlassen diese Frauen ihre Männer häufig nicht. Für viele unverständlich. Bei Hunden ist es nicht anders. Er wird seinen Menschen immer noch lieben, das steckt in ihm drinnen, aber vertrauen wird er ihm nie mehr, weil er weiß, wozu dieses unberechenbare Wesen fähig sein kann. Die Angst und Unsicherheit (bleibt.

Ein weiterer Trainer empfohl ihr ein Geschirr, bei dem eine dünne Schnur unter den "Achseln" (also den Ellenbogen) läuft und am Rücken zusammengeführt wird. Bei Zug auf der Leine schneidet die Schnur äußerst schmerzhaft in das Fleisch ein, (siehe Foto unten). Eigentlich schon tierschutzwidrig.

Als wir nach dem Vorgespräch losgehen wollten, erschrak ich: Der Hund stand da wie ein Dromedar, sprich, er hatte einen Buckel. Ein Schäferhund mit Buckel! Durch dieses Geschirr hat sich der Hund eine so schlimme Schonhaltung angewöhnt, um dem Schmerz zu entgehen, dass seine ganze Körperhaltung völlig krumm und schief war. Die Schulterfreiheit war begrenzt, er macht nur noch kurze Trippelschritte.
Wir tauschten sofort dieses Folterinstrument gegen ein gutsitzendes, weiches Y-Brustgeschirr. Dazu die 1-Meter-Leine. Und dann ging es endgültig raus.

Wie immer ließ ich erst den Hund im Stehen die Erfahrung machen, dass die Leine zu Ende ist, wenn sie zu Ende ist. Diese Erfahrung ist für den Hund völlig normal und unspektakulär, absolut nicht frustrierend, und er kommt ziemlich rasch auf die Erkenntnis, dass die Leine wirklich zu Ende ist, wenn sie zu Ende ist. Der Hund muss dazu nichts lernen. Nur der Mensch, denn der schafft es seltenst, dies durchzuziehen ohne ins Kämpfen zu kommen.

Die gleiche Erfahrung macht der Hund dann beim Gehen: Die Leine ist zu Ende, und es geht leider dennoch nicht schneller, auch wenn er zieht wie der Teufel. Eine neutrale Erfahrung, aus der fast alle Hunde rasch den Rückschluss ziehen, dass an der Leine ziehen nichts bringt. Es ändert sich nichts, alles andere wäre Energieverschwendung. So leicht ist das. Für die Hundehalter ein unglaublicher Akt der Selbstdisziplinierung. Einfach nur gehen. Die Hundehalter müssen lernen, nicht der Hund. Der braucht nur Rückschlüsse ziehen, mehr nicht. Und das muss ich ihm nicht mal beibringen.

Fallbeispiel:

1-jährige aggressive Boxerhündin

Die Halterin kam völlig gestresst und eine Stunde zu spät zu unserem Termin im Hundehotel. Die einjährige Hündin am Halsband, und die Halterin zog und zerrte, kommandierte, schimpfte, maßregelte, ließ dem Hund die Leine lang, zog aber sobald die Hündin die lange Leine natürlich ausnutze, diese wieder zurück, rief dauernd SITZ! SITZ! SITZ!, es war Chaos pur. Es waren natürlich noch andere Hunde in der Hotellobby, und schnell war das Durcheinander perfekt.

Fast zu streng sagte ich ihr, sie solle sich setzen, die Leine kurz halten und den Hund einfach in Ruhe lassen. Nach wenigen Minuten beruhigte sich das aufgebrachte Hundemädchen und legte sich hin. Eine ganz normale Folge, wenn der Mensch den Fokus weg vom angeblichen "Fehlverhalten" nimmt, selber ruhig wird und diese ganzen unnützen Befehle und Grundkommandos weg läßt, die man in jeder Hundeschule als erstes lernt, und die jedem ach so wichtig und unerlässlich im Zusammenleben mit einem Hund erscheinen. Währenddessen erklärte ich ihr, wie ein Halsband bei leichtestem Zug jegliches "Fehlverhalten" immens verstärkt, da unter Atemnot und Minderdurchblutung des Hirnes niemand - weder Mensch noch Hund - logisch denken und entspannen kann. So tauschten wir das Halsband gegen ein Brustgeschirr mit Schulterfreiheit und eine 1 Meter-Leine und gingen raus.

Wie immer begann ich mit dem Entspannen des Hundehalters, und die Hündin wurde immer ruhiger, setzte sich hin und legte sich dann hin und konnte in Ruhe alle Reize, die sich ihr in dieser neuen Umgebung nach der stressigen Fahrt boten verarbeiten. Wer einen entspannten Sozialpartner hat, der kann selber entspannen. Hunde lernen am leichtesten durch Nachahmen, und dies ist eine Art des Lernens, die wir nicht aktiv fördern müssen. Es sind keine Übungs- oder Trainingseinheiten nötig, keine endlosen Wiederholungen oder Ähnliches. Wir Menschen müssen lernen, für unsere Hunde ein Vorbild zu sein. Wer straft, schreit, maßregelt, ständig verbietet und kommandiert ist in den Augen des Hundes kein würdiger Sozialpartner und erst reicht kein Vorbild, sondern einfach ein Rowdy.

Die kleine Hündin wurde vor der ersten Läufigkeit bereits kastriert und konnte den Schritt ins Erwachsensein leider nie vollziehen. Sie hatte nie eine schlimme Begegnung mit anderen Hunden, doch ich erlebte sie bei der ersten Hundebegegnung als aggressive Furie. Meine liebe vierbeinige Assistentin Bianca hielt gleich Sicherheitsabstand. Sie weiß immer was zu tun ist. Das Verhalten der Boxerhündin konnte einem wirklich Angst machen. Sehr ungewöhnlich, so ein Verhalten bei einem so jungen Hund.

Die Hundehalterin brachte jetzt durch meine Anleitung beim Stehen sowie beim Gehen eine schöne Ruhe in die ganze Situation, wurde freundlicher, klarer, entschleunigter und souveräner, und die Hündin spiegelte das ganz schnell. Wieder kein aktives Trainieren, Beibringen, Dressieren und Üben nötig. Das hätte nichts mit Mit Hunden Sein zu tun, sondern wäre einfach nur Hundetraining, also Dressur. Der Name der Hündin wurde von jetzt an positiv belegt, die Ansprachen motivierend, zärtlich, freundlich, liebevoll. Auch bei Hundebegegnungen wurde es schon ein wenig besser.

Jetzt kam Trick 17: Der Schleckerroller von Trixie. Sieht aus wie ein Deoroller, ist aber mit einer leberwurstartigen, stark duftenden Flüssigkeit gefüllt. Kam ein anderer Hund, gab es ein, zwei Schleckerchen mit dem Roller, und so hat sich die Hündin selber ratzfatz umkonditioniert. Hundebegegnungen waren jetzt auf einmal toll, Frauchen von Interesse, denn ein positives Erlebnis überdeckte die Wut, den Hass, die Aggression. Und löschte sie.

Frauchen war plötzlich großartig, sie war es ab jetzt wert, dass man sie ansah, wenn der Name so unglaublich freundlich und fröhlich genannt wurde, denn Frauchen hatte sich mit dem heutigen Tag um 180 Grad verändert. Frauchen hatte etwas gelernt - nicht der Hund. Der hat in diesen 2 Stunden seine Rückschlüsse für sich und sein Leben mit seinem Menschen gezogen. Und die kann jetzt allein durchs freundliche und fröhliche Nennen des Namens ihres Hundes jede Situation abbrechen.

So einfach und nachhaltig ist das. Das ist Mit Hunden Sein.


Die Lust am Strafen

NEIN! AUS! PFUI! KSCHT! ist noch die harmloseste Variante.
Schimpfen, Erschrecken, Klapse, Schläge, Tritte, Ignorieren, Leinenrucks, das Halsband in die geschlossene Faust nehmen, anschreien, auf den Rücken legen, Nackengriff, Nackenschütteln, Würgen, und und und .... jetzt ist schon mein Latein am Ende, weil ich über solche Dinge gar nicht nachdenken mag und kann. Alles was aktiv und mit einer Berechnung von uns aus dazu beiträgt und dem Hund unangenehm ist, ist rein wissenschaftlich als Strafe zu beurteilen.

Strafe soll ein Verhalten des Hundes abbrechen wie in der ersten Zeile oder den Hund dazu bringen, dieses Verhalten nicht mehr zu zeigen und über seine Fehler nachzudenken. Er soll sofort erfahren, dass dies ein Fehlverhalten ist, und dass dieses in Zukunft immer auf diese Weise sanktioniert wird. Das funktioniert aber nicht, wenn man sich mal mit dem Lernverhalten von Hunden (Tieren) auseinandersetzt. Außer man straft so hart, dass das Tier gebrochen ist und nie wieder irgendein Verhalten aus Eigeninitiative zeigen wird. So werden beispielsweise Zirkustiere gebrochen.

Ein Fehlverhalten? Hunde, also Tiere kennen in ihrer Welt kein Fehlverhalten, denn das was sie tun, ist in ihrer Tierwelt die beste und sinnvollste Variante für diesen Moment im Hier und Jetzt. Für sie logisch und sinnvoll - für uns ein Fehlverhalten. Leider sind die meisten von uns die absoluten Legastheniker, was das Lesen der Hundesprache und das Verstehen des Hundeverhaltens und das Lernverhalten des Hundes betrifft. Vorne bellt es und hinten wedelt es, das ist meist alles was ein Hundehalter so von seinem Hund weiß. Es gehört viel Zeit und Willen dazu, sich in Verhaltenskunde fortzubilden.

Strafe ich meinen Hund - egal wie - ist der erste Effekt zunächst, dass der Hund erschrickt und über unser für ihn nicht vorhersehbares Verhalten veränstigt ist. Sind Sie schon mal über eine Reaktion Ihres (Ehe-)Partners oder besten Freundes erschrocken oder gar verängstigt gewesen? "Das hätte ich nie von ihm gedacht", sagen Sie danach zu einer anderen Person Ihres Vertrauens. Lernt man unter Angst, Streß, Druck, Strafe, Schmerzen? Was lernt man dabei vor allem über die Person, die dies verursacht? Was für Rückschlüsse zieht man für sich über das zukünftige Beisammensein?

Kennen Sie die Geschichten von Frauen, die von ihren Männern mißhandelt werden? Aus Sicht des Mannes ist sein Verhalten richtig. "Die hat es doch nicht anders verdient!"
Wird die Frau sich aufgrund der Bedrohungen dem Mann gegenüber ehrfürchtiger benehmen? Sie wird es vielleicht versuchen, aber sie wird mutmaßlich unbewußt immer wieder Fehler machen - Fehler in den Augen des Mannes - und wieder bestraft werden. Im Grunde ist es völlig egal was sie tut, es wird immer falsch sein. Wie wird ihre Einstellung zu dem Mann sein, den sie mal geliebt hat und wahrscheinlich immer noch liebt, warum auch immer? Hat sie Courage, dann geht sie zur Polizei oder ins Frauenhaus. Wir beglückwünschen sie zu dieser Entscheidung und stehen auf ihrer Seite. Wie ist es bei unseren Hunden?

Was geht in strafenden Hundehaltern vor? Wut? Angst? Unsicherheit? Scham vor anderen Hundehaltern als unfähig abgestempelt zu werden?
Oder ist es das prickelnde Gefühl Macht über etwas zu haben?`Macht über ein Wesen, welches schwächer ist als wir? Löst es ein Glücksgefühl aus? Was für Hormone werden wohl im Körper eines strafenden Menschen freigesetzt, dass dieser Drang zu strafen so dominant ist?

Liebe Leser, ich kann Ihnen aus langjähriger Erfahnung mit Problemhunden aller, wirklich aller Art nur immer wieder sagen:
Es geht wunderbar und nachhaltiger ohne NEIN! AUS! PFUI! KSCHT! und natürlich auch ohne allem, was dies noch übertrifft.
Und zwar so, dass Sie sich zusammen mit ihrem Hund dennoch in dieser Gesellschaft zeigen können ohne negativ aufzufallen, sondern im Gegenteil: Sogar besonders positiv aufzufallen.


Foto: Aylen Brauer
Fotomodell: Duke

Bedingunglose Liebe

Hat Sie schon einmal ein Mensch bedingungslos geliebt?
Wirklich bedingungslos? Sie tagein tagaus geliebt - so wie Sie sind?
Egal ob Sie arm oder reich, dick oder dünn, beruflich erfolgreich oder letzte Versager sind, cholerisch oder die Güte in Person sind, wunderschön oder häßlich wie die Nacht sind, politisch ultrarechts oder ultralinks sind, gertenschlank oder massiv übergewichtig sind, kerngesund oder totkrank sind, hochintelligent oder dumm wie Brot sind, freigeistig oder stockkonservativ sind, steinreich oder bettelarm sind, übergroß oder zwergenwüchsig sind? Sind Sie von diesem Menschen wirklich jeden Tag gleich bedingungslos geliebt worden? Auch wenn Sie sich im Laufe der Jahre verändert haben, was ja natürlicherweise nicht ausbleibt? Ist die Liebe unverändert gleich geblieben?
Nein? - Kein Wunder, denn kein Mensch wird fähig sein so eine Liebe zu geben.
Und dennoch, es gibt jemanden in ihrem Leben, der Sie genau so bedingungslos liebt:
Ihr Hund
Genau dieses Wesen liebt Sie mehr als alles andere auf der Welt. Nur weil Sie mit ihm zusammenleben, weil Sie sein Mensch sind. Und er Ihr Hund.
So, nun werden Sie also von Ihrem Hund mehr geliebt als von Ihrem (Ehe-)Partner, mehr geliebt als von Ihrem besten Freund, mehr geliebt als von Ihren Eltern.
Wäre nicht die erste logische Frage: Wie kann ich diese Liebe zurückgeben? Wie kann ich das alles nur annähernd adäquat wieder gut machen? Wie kann ich mich revanchieren? Eine logische Frage für den Homo Sapiens - den weisen Menschen, nicht wahr?
Statt dessen denkt der weise Mensch darüber nach, wie er dieses Wesen, welches Liebe in Reinform verkörpert:
Drillt, straft, gängelt, zu einem unnatürlichen Wesen formt, schikaniert, unterbuttert, Schmerzen zufügt, demütigt, bedroht, ihm alles verbietet, was ihn ausmacht, seine Seele bricht, ihn behandelt wie den letzten Dreck, wie einen Sklaven, wie einen Kriminellen, wie einen Sträfling, sich über ihn erhebt. Wie man seine bedingungslose Liebe mit Füßen tritt.

Der weise Mensch?

Würde er auch einen anderen Menschen so behandeln, der ihn liebt?

Foto: Katharina Hans


Aggressive Hunde

In den letzen drei Tagen hatte ich drei verschiedene Hunde mit der gleichen Vorgeschichte und exakt den gleichen Themen. Sprich Probleme mit allem was ihnen draußen unter die Augen kommt, sei es Mensch oder Hund in jeglicher Art und Weise oder Sonstiges. Alles gepaart mit Aggression. Und da jeder Hund ein Individuum ist und jeder Mensch ein Individuum ist und alle zusammen noch individueller sind, hatte ich bei allen Dreien eine komplett andere Herangehensweise.

Aber eines handhabte ich bei allen gleich: Es war zu 100% gewaltfrei, und zwar in der Art und Weise, dass die Hundehalter jederzeit mit ihren Hunden hätten tauschen können. Wahrscheinlich in den Situationen sogar lieber ihr eigener Hund gewesen wären. Alle Hunde wurden in den 2 - 3 Stunden in einem 100% angenehmen Zustand gehalten. Sie haben nichts beigebracht bekommen, nichts aktiv lernen müssen, nichts üben müssen, keinen Frust erlitten, sondern nur ihre Rückschlüsse über ihren Menschen gezogen.

Drei mal Problem gelöst.

Das ist der Grund warum ich kein viertes Buch schreiben werde. Ich kann keine Gebrauchsanweisungen veröffentlichen, ich kann nur Ideen vermitteln. Mit Hunden Sein ist keine Methode. Was ich im ersten Buch geschrieben habe, handhabe ich so gut wie gar nicht mehr. Vieles von Buch 2 ist nicht mehr gültig, weil ich schon wieder viel bessere Herangehensweisen entwickelt habe, die ich aber auch in Buch 3 schon nicht mehr beschrieben habe, weil mir bis dahin noch bessere Ideen kamen.

Meine täglichen Lehrer sind meine Hunde, die Hunde meiner Kunden und oft auch meine Kunden selber. Jeder bringt unbewußt eine kleine Idee mit, die in mir einen Impuls, einen Gedankenblitz auslösen und mir schon wieder eine neue Idee kommt.

Das ist mit Hunden Sein. Und daher hat es absolut nichts mit Hundeerziehung zu tun.

Und daher kann ich leider auch keine Mit Hunden Sein-Trainer oder Assistenten ausbilden. Meine einzige Assistentin - und die hat sich selber dazu gemacht - ist meine wunderbare über alles geliebte Schäferhündin Bianca. Die durchschaut alles noch schneller als ich und findet jede Lösung noch schneller als ich.

In diesem Sinne - jeder Tag ist spannend - alle Hunde sind toll und unsere Freunde und nicht unsere Schüler

Fallbeispiel:

9-jährige Hütehündin mit Problemen bei Hundebegegnungen:

Besagte Hündin (die aus der Tötung aus Spanien kommt) gerät beim Anblick eines anderen Hundes völlig aus der Fassung und zeigt deutliche Streßreaktion: lautes hysterisches Bellen, Leineziehen, weit aufgerissene Augen, unkontrollierte Bewegungen. Bei plötzlichen lauten Geräuschen geschieht so ziemlich das Gleiche. Ihre Halterin ist eine unglaubich liebe und ruhige Frau, die bis dato gottseidank auch nur mit positiver Verstärkung und mit viel Liebe und Ruhe mit ihr umgegangen ist. Kleine Erfolge zeigten sich im Laufe der Jahre.

Wenn man so einen Hund mal einfach neutral betrachtet, wird einem natürlich klar, dass der Hund unsicher und sehr leicht erregbar ist und daher auch sehr leicht zu stressen ist. Dies muss man bitte erst mal hinnehmen. Es gibt genügend Menschen, denen es nicht anders geht. Jeder Hund ist anders, jeder Mensch ist anders, und dies ist weder zu werten noch zu verurteilen. Hier haben wir es mit Gefühlen und Emotionen zu tun und nicht mit Fehlverhalten. Das sollte bitte jedem klar sein. Das Verhalten eines Wesens ist das Resultat seiner Erlebnisse und Erfahrungen im Laufe seines Lebens. Die Frage sollte niemals sein: "Wie gewöhnen wir ihm das ab?" sondern: "Wie können wir ihm helfen?".

Wichtig ist, wenn ein Hund Streßmerkmale zeigt, wirklich sofort zu handeln und nicht zu warten, bis irgendeine höhere Macht von Oben was tut und einschreitet. Als 1. Hilfe empfehle ich immer, sich sofort dem Hund zuzuwenden, auf Augenhöhe zu gehen und den Hund sanft zu berühren (Oxytozinproduktion wird angeregt) und mit ihm liebevoll zu reden. Noch mal: Hier handelt es sich nicht um ein von der Ratio gesteuertes Verhalten seitens des Hundes, sondern um ein Stressmerkmal. Stress kann man durch liebevolle Zuwendung weder belohnen noch bestrafen. Geht nicht. Bei niemanden. Dass der Hund immer ein gutsitzendes Brustgeschirr mit Schulterfreiheit tragen sollte, sollte selbstverständlich sein. Atemnot verstärkt jegliches "Fehlverhalten" (ich hasse diesen Begriff, weil es unter Tieren kein Fehlverhalten gibt). Begebe ich mich nun runter zum Hund, ist es wichtig, ihn am Geschirr zu halten, bzw. die Leine kurz zu halten, denn je größer die Bewegungsfreiheit in so einem Moment ist, desto gestresster wird der Hund. Probieren Sie es aus.

Eine weitere Möglichkeit wäre - sofern nach hinten genügend Platz ist - den Hund aus dem Geschehen rauszuholen, in dem ich mit ausgestreckten Arm und Handfläche nach oben rückwärts von der Gefahr weggehe. Dadurch habe ich den Vorteil, dass ich vom Hund sofort Blickkontakt und seine volle Aufmerksamkeit bekomme. Ich hole ihm quasi aus dem "Horrofilm" raus.

Dritte Möglichkeit ist das Bogengehen, also bei einer normalen Hundebegegnung dem entgegenkommenden Hund auszuweichen und selber ganz gelassen zu bleiben. Die Leine dabei verkürzen, so dass der Hund dicht beim Halter weg von der Gefahrenseite geführt wird. Dabei muss der Halter extrem tiefenentspannt und ganz souverän bleiben.

Wir hatte damit ein paar Erfolge, aber ich war noch nicht ganz zufrieden. 9 Jahre Panik sind nicht so leicht zu therapieren.

Schlechte Gefühle, Ängste, Unsicherheite, Wut und Panik kann ich prima mit guten Gefühlen zuerst überdecken, später sogar komplett löschen. Und habe ich das Glück, einen Hund zu haben, der in so einer Situation noch Futter nimmt, mache ich mir das natürlich zunutze. Die Halterin der Hündin gab auf Anraten vieler positiv arbeitender Trainer dem Hund dann ein Leckerchen, wenn er "schön brav" war, also nach der Hundebegegnung. Befassen wir uns aber mit Hundeverhalten und der Denk- und Lernfähigkeit eines Hundes, ist es für einen Hund nicht nachvollziehbar, für eine NICHT vollzogene Handlung belohnt zu werden, da "brav sein" kein Kunststück und keine Dressur ist, sondern ein Zustand der Entspannung und Gelassenheit ist. Also ein Gefühl. Gefühle kann man nicht belohnen. Bei niemandem. Denn niemand, außer einem Top-Schauspieler, kann Gefühle vorspielen, bzw. auf Kommando vorführen.

Bei "Mit Hunden Sein" wird den Hunden nichts beigebracht, weder Verhalten noch irgendwelche Kunststücke noch sonst etwas. Mit Hunden Sein ist eine Freundschaftsarbeit. Und nur wir sind es, die arbeiten müssen, nicht der Hund. Der liebt uns sowieso heiß und innig. Die schönsten beigebrachten Dinge sind im Zustand einer stressigen Situation nur schwer bis gar nicht abrufbar. Ist bei uns genauso. Sagen Sie mal unter Streß, Angst und Panik Mathe- oder Physikformeln auf.

So, nun gehe ich so an die Sache ran, indem der Hund genau dann Leckerchen bekommt, wenn er in die Angst, in die Panik, in den Streß kommt. Ich bringe ihm im Zustand eines schlechten Gefühls in den Zustand eines guten Gefühls.

Stellen Sie sich vor, dass jedes mal, wenn sie mega-gestresst sind, plötzlich etwas Wunderbares passiert. Denken Sie dann wirklich immer noch an den gerade durchlebten stressigen, negativen Zustand? Positive Gefühle überdecken immer negative Gefühle. Das ist so, da gibt es nichts dran zu rütteln.

Fazit: Hundchen hat sich selber umkonditioniert: Hunde treffen ist angenehm und positiv, Frauchen ist supi, hat jede Situation im Griff und bleibt souverän und stets freundlich, fröhlich und unbeschwert.

Nach zwei Stunden strahlten Hund und Frauchen um die Wette :-)


Hundetrainer

"Guten Tag, meine Name ist Eva Windisch, ich komme aus Oberbayern, bin 50 Jahre alt und bin Hundetrainerin."
So beginne ich meine Vorträge.
"Hundetrainer kann sich jeder nennen. Es ist kein geschützter Beruf. Jeder Hundefrisör, der festestellt, dass er gut Hunde festhalten kann, kann sich von heute auf morgen zum Hundetrainer ernennen.
So habe auch ich mich selber zur Hundetrainerin ernannt. Es gibt keine offizielle, also staatliche Ausbildung. Immerhin haben wir in Deutschland seit 2 Jahren die Pflicht, vor dem Veterinäramt eine Sachkundeprüfung abzulegen, in der wir unter anderem zeigen müssen, dass unsere Arbeit nicht tierschutzwidrig ist. Leider zeigen viele Hundetrainer bei der praktischen Prüfung das, was die Prüfer sehen wollen und machen dann nach ihrer oft straforientierten Art und Weise munter weiter.
Sie kennen das: 100 Hundetrainer - 100 Meinungen. Sind Meinungen Wahrheiten oder einfach nur Geschmäcker?
Meinungen sind Schall und Rauch. Meinungen nicht nichts wert - absolut nichts. Heutzutage hat jeder zu jedem Thema eine Meinung. Ist diese deswegen eine Wahrheit? Sind Meinungen, die mehrheitlich sind eine Wahrheit? Sind wir Hundetrainer Hoheiten, weil wir Meinungen haben und diese munter kund tun und in der Welt verbreiten? Weil wir damit verunsicherten Hundehaltern ein Glaubensgerüst bereiten? Wir haben teilweise den Status eines Halbgottes habe ich das Gefühl.

Ich als ebenfalls selbsternannte Hundetrainerin habe es mit lebenden, fühlenden Wesen zu tun und sehe es als meine Pflicht an, mich weiterzubilden, mich zu informieren, Wahrheiten herauszufinden, auch wenn es manchmal mühsam ist.
Ich will lernen und herausfinden, wie dieses Wesen Hund denkt, lernt, fühlt, tickt, lebt, interagiert, kommuniziert, wie es uns sieht und wahrnimmt, wie es seine Welt sieht und wahrnimmt, was es ist, was es ausmacht. Und dazu bilde ich micht nicht durch TV-Hundetrainer-Sendungen fort oder indem ich anderen Hundetrainern über die Schulter schaue, denn auch diese haben sich alle selber zum Hundetrainer ernannt - genau wie ich.

Fortbilung macht da Sinn, wo Fachleute am Werke sind und waren, sprich Biologen, Kynologen, Wissenschaftler, die eben möglichst keine Hundetrainer sind, sondern sich der Verhaltensforschung verschrien haben. Und zwar nicht nur bei den eigenen Hunden oder denen vom Nachbarn im Dorf.
Das sind Instanzen, die mir Wissen vermitteln können, welches ich mit guten Gewissen weitergeben kann und auf welches ich mit gutem Gewissen meine Arbeit aufbauen kann. Weiterbildung ist dank des Internets wesentlich einfacher geworden als früher. Man kann sich gezielt Literatur von Kynologen besorgen, deren Videos auf You Tube ansehen, deren Blogs und Seiten lesen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Das sind Menschen, die Wahrheiten herausgefunden haben. Auch die können sich mal irren und korrigieren sich, wenn sie falsch lagen. Aber sie tun es gottseidank. Da sollte einem kein Zacken aus der Krone fallen.

Ein paar Tipps von den Aktuellsten: John Bradshaw, James O'Heare, Günther Bloch, Thomas Riepe, David Mech (Liste kann gerne ergänzt werden).

Meine Bitte an Sie: Glauben Sie nicht alles, was Ihr Hundetrainer Ihnen sagt. Wenn es gegen Ihr Herz, gegen Ihr Bauchgefühl, gegen ihr Empathieverständnis und gegen Ihren logischen Menschenverstand ist, dann fragen sie nach, haken Sie nach. Löchern sie ihn so lange, bis die Antwort für Sie wirklich nachvollziehbar und vor allem FÜR und nicht GEGEN den besten Freund des Menschen ist. Und bedenken Sie immer: Möchten Sie anstelle Ihres Hundes sein? Immer?"



Radfahren mit Hund?

Ab 25° C Außentemperatur trifft man immer wieder auf ein erstaunliches Naturphänomen: Die Radfahrer mit Hund. Das ganze Jahr über verstecken sie sich, aber exakt ab Hochsommerbeginn kriechen sie aus ihren Löchern. Luftig bekleidete Menschen, die sich genießerisch beim Radeln den frischen Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Denn beim zu Fuß gehen kommt man bei den Temperaturen einfach zu leicht ins Schwitzen. Das Ganze mit einem in den Regel angeleinten, im Galopp nebenher hechelnden Hund, dem die Zunge bis zum Asphalt raushängt. Bevorzugt am Halsband.

Was geht in diesen Menschen vor? Haben ihrer Ansicht nach Hunde ein anderes Temperaturempfinden? Sind das die Menschen, die ihren Hund auch im Sommer im Auto auf dem Parkplatz braten lassen? Ist das in ihren Augen Auslastung, das berühmte Auspowern um jeden Preis? Erspart das lästiges den-Hund-noch-schnell-Bewegen? Die zeitliche Länge der "Gassi-Runde" durch entsprechendes Tempo einfach verkürzen?

Grundsätzlich powert man bitte einen Hund schon mal nicht aus. Einen Hund lastet man aus. Nur weil wir 10 Stunden täglich im Büro sitzen, was wider der menschlichen Natur ist, und wir dies durch feierabendliches Streßjoggen oder auf-dem-Laufband-rennen kompensieren, müssen wir diese Burn-Out-Vorbereitung doch nicht auf unseren Hund übertragen.

Ein Hund braucht 18-20 Stunden Schlaf am Tag. Möglichst nicht in Einsamkeit, denn dies ist kein erholsamer Schlaf. Und was tun dann Hunde in Freiheit, also Straßenhunde, verwilderte Hunde? Sie ziehen gemächlich von Müllhalde zu Müllhalde und rennen nicht im Hetzgalopp durch die Wälder. Und erst recht nicht bei Hitze sondern dann, wenn es abgekühlt ist. Man sieht überhaupt selten Tiere freiwillig länger als ein paar Minuten rennen, seien es wilde Tiere oder domestizierte Tiere.

Wenn Sie das Bedürfnis haben, ihren Hund bei hochsommerlichen Temperaturen "auspowern" zu müssen, dann rennen Sie bitte selber erst mal eine halbe Stunde durch die pralle Sonne. Aber mit warmer Jacke, ja?

"Ausgepowert" muss kein Hund werden. Auslasten hat nie etwas mit km/h zu tun, sondern mit Erleben, Sinne in Ruhe einsetzen, Gemeinschaft, Natur fühlen, Hund sein und Seele baumeln lassen zu tun. Alles andere ist kontraproduktiv und bewirkt durch die Produktion des Hormons Adrenalin, dass der Hund immer mehr und mehr braucht und immer hibbeliger anstatt ruhiger und ausgeglichener wird.




Sind unsere Hunde zu dumm, sich zu beschäftigen?

In einem der Hundehotels in Österreich in denen ich unterrichte, steht seit ein paar Monaten ein Hundespielplatz der Seinesgleichen sucht. Ein Hundespielplatz wohlgemerkt - kein Agilityplatz, kein Sportplatz. Dieser Hundespielplatz ist wirklich für Hunde konzipiert. Er ähnelt einem Abenteuerspielplatz für Kinder. Er ist aus Naturholz, hat die verschiedensten Stationen und ist wirklich unglaublich kreativ entwickelt worden. Als ich das erste mal mit meinen fünf Mädels drauf war, flippten sie vor Begeisterung aus, und probierten alles aus - ohne mein Zutun. Und meine Mädels sind jetzt nicht so die Typen, die zwingend Action oder Abenteuer suchen. Ich bummelte einfach über diesen Platz und die Mädels nutzen alle Stationen. Da haben sich die Hotelbetreiber wirklich etwas dabei gedacht. Ich war begeistert!

Beobachtet man jetzt mal, wie dieser Platz genutzt wird, stimmt einen das fast ein bißchen traurig. Hundehalter betreten den Platz, gehen gezielt auf ein Objekt ihrer Begierde zu, befehlen den Hunden diese oder jene Station zu nutzen, an jeder Station müssen die Hunde auf Geheiß ihrer Menschen diverse Körperpositionen einnehmen und schlicht und einfach mal wieder wie Soldaten funktionieren.

Man stelle sich das gleiche Szenario nun auf einem Kinderspielplatz oder auf einem Rummelplatz vor: Müssen Eltern ihre Kinder animieren, einen Spielplatz zu nutzen, einen Rummelplatz zu nutzen? Müssen sie sie animieren, ein Karussell, eine Rutsche oder ein Baumhaus zu nutzen? Dienen solche Plätze nicht eher dazu die Kreativität und die Phantasie der Kinder zu fördern?

Unsere Hunde sind durchaus fähig, uns ihre Welt zu zeigen, uns ihre Vorstellung von Spaß haben zu zeigen. In ihrer Hundewelt haben sie ihre eigenen Ideen, Phantasien und Bedürfnisse.

Hören wir doch einfach mal hin, hören wir ihnen zu. Ihre Welt ist oft spannender als wir denken. Es sind perfekte Wesen.



Wie straft man einen Hund?

Liebe Hundehalter, auf diese Frage gibt es nur eine einzige Antwort, und die lautet: "Gar nicht!"

Was bewirkt eine Strafe? Letztendlich nur, dass unser Hund Angst vor uns hat. Ist das ein erstrebenswerter Zustand, dass das Wesen welches 10 - 15 Jahre mit uns zusammenlebt, welches uns mehr liebt, als uns je ein Mensch lieben wird, dass dieses Wesen vor uns Angst hat? Wollen oder brauchen wir wirklich für unser Wohlgefühl das Wissen, dass unser geliebtes Haustier vor uns Angst hat?

Überdenken wir bitte noch mal, dass Strafe - um wirklich wirksam zu sein - so hart und so auf den Punkt aufgeführt werden muss - dass der Hund dieses im Augenblick unerwünschte Verhalten unterläßt. Und dann? Wird er es dann für immer sein lassen? Hat er seine Lektion gelernt? Nein, denn ein Hund lebt im Hier und Jetzt. Es ist ein Tier mit dem IQ eines zweijährigen Kindes und hat kein Rechts- und Unrechtsbewußtsein, keine Vorstellung von Moral und Tugenden, kein Schuldgefühl, keine Ahnung von Gesetzen und menschlichen Werten.
Es ist ein Tier mit einem Tiergehirn, einer Tiervorstellung von seiner Tierwelt, seinen Tierregeln und seinen Tiergesetzen, seinem Tierinstinkt - und einem großen Herz voller Liebe zu uns Menschen. Davon werden unsere Hunde primär getrieben.
Und unser Dank dafür ist, dass wir uns die perfidesten Strafen ausdenken, um diesem Wesen voller Liebe Schmerz, Leid und Kummer zu bereiten? Und dabei noch ein Wohlgefühl, ein Lustgefühl empfinden. Und dafür denken wir uns unzählige nie ausgehende Ausreden und Argumente aus, um unser Handeln zu rechtfertigen.

Halten wir uns nicht für die Krone der Schöpfung und rühmen wir uns nicht unseres hohen IQs? Warum setzen wir diesen dann bitte nicht ein, um mit dem besten Freund des Menschen in Freundschaft und Harmonie zusammenzuleben?

Wo bleibt unser Wissen, wenn es darum geht, einem schwächeren Wesen bei eine Fehlverhalten eine bessere Alternative zu zeigen?

Hunde lieben uns, SIE wollen in Freundschaft und Harmonie mit uns Leben, das ist die Folge von 15.000 Jahre Domestizierung. Sie handeln nicht in böser Absicht uns gegenüber. Wozu auch? Es sind nur Tiere, eine andere Spezies mit einer anderen Sprache, mit einer anderen Denke als wir. Es ist mit unserem hohen IQ ganz einfach, sich auf so ein einfaches Wesen einzulassen, seine Sprache, seine Denke, seine Welt, sein Leben, seine Instinkte kennen und lesen zu lernen. Für uns ist es einfacher, das Wesen Hund zu studieren als für einen Hund den Menschen so perfekt zu verstehen als wir es ständig von ihm erwarten.

Machen wir es ihm doch leicht. Wir haben das Wissen. Wir haben den Geist. Wir haben den Verstand.



Positive Strafe - Negative Strafe



Noch eine kurze Erklärung zum Thema Strafen:

Postitive Strafe - Es wird dem Hund etwas Unangenehmes zugefügt

Negative Strafe - Es wird dem Hund etwas Angenehmes entzogen

Ein harmonisches Zusammenleben mit dem besten Freund des Menschen ist ohne positive und ohne negative Strafe möglich. Das Zauberwort heißt Kommunikation, Empathie, kynologisches Wissen.

Auch mit einem Problemhund ist dies möglich, und ja, man kann einen Problemhund auch ohne Strafe therapieren. Dies setzt voraus, dass man sich mit dem Wesen Hund, Biologie und Verhalteskunde auf wissenschaftlicher Basis auseinandergesetzt hat.

Hier noch mal für alle selbsternannten Chefs, Leitwölfe, Rudelführer und Alphas:
Es gibt in Wolfsrudeln weder eine Rangordnung noch Hierarchien.
Und das Gleiche gilt für Hunde. Es gibt keine dominanten Hunde, höchstens Hunde, die ihre Ressourcen vehementer als andere verteidigen, bzw die einen größeren Individualbereich haben oder Hunde, die durch harte Behandlung seitens des Menschen zu prolligen Verhaltesweisen neigen.

Dies ist nicht meine Erfindung, sondern schlicht und ergreifend kynologisches Wissen und biologisch seit den 70er Jahren erwiesen. Bei Bedarf und wirklichem Interesse kann ich gerne fachliche Literaturtipps geben. Auch dies zu dementieren ändert an dieser Tatsache nichts.

Die Erde ist eine Kugel und keine Scheibe.




Schlechte Laune

Die meisten Hundehalter, die man draußen trifft, sind schlecht gelaunt. Schade, zumal der Hund doch der beste Freund des Menschen ist. Und die Tatsache, über viele viele Jahre hinweg einen besten Freund zu haben, sollte doch eigentlich unsere Mundwinkel nach oben zaubern. Wären wir unseren zweibeinigen Freunden gegenüber ständig ebenso schlecht gelaunt, wären wir mutmaßlich ziemlich alleine auf dieser Welt.
Nehmen Sie Ihren Hund als das was er für Sie ist: Ihr bester Freund, Ihr Seelentröster, Ihr Gefährte, Ihr Kumpel, Ihr Medium, die Natur zu genießen.
Und seien Sie Ihrem Hund das Gleiche. Wenn er mal nicht mehr ist, werden Sie sich daran erinnern, was er mal für Sie war.


Wissenschaft vs. Meinungen

Kein Tier ist so gründlich durch und durch erforscht worden, von Biologen, Kynologen und Wissenschaftlern durchleuchtet worden, wie unser seit 14.000 Jahren domestizierter Haushund Canis Lupus Familiaris. Kein Buch mit 7 Sigeln, sondern ein ganz leicht zu lesendes Wesen, welches es uns in der Kommunikation und in der Interaktion mehr als einfach macht.
Wenn man endlich mal bereit ist, das Märchen vom Rudelführer, vom Alphawolf, vom Leithund, vom Leitwolf und Chef auszublenden und einfach mal ein Fachbuch zur Hand zu nehmen und sich ein wenig schlau zu machen. Für so viele Bereiche und Themen kaufen wir uns Literatur, Fachbücher, Sachbücher. So vielen Dingen wollen wir auf den Grund gehen, so viele Dinge wollen wir herauskriegen. Nur beim Thema Hund decken wir uns lieber mit Büchern ein, die uns die tollsten Kunststückchen und Tricks für unsere Hunde vorschlagen, die uns über Grundgehorsam, Erziehung und Fehlverhalten belehren wollen, anstatt einfach mal herauszukriegen, mit was für einem wunderbaren hochsozialen Wesen wir denn da einen nicht unerhebllichen Abschnitt unseres Lebens teilen.

"Hunde sind untereinander ja auch nicht gerade zimperlich..."

So wird Gewalt am Hund gerne gerechtfertigt.
Schauen wir uns das Ganze mal genauer an. Wann haben zwei Hunde Probleme miteinander und gehen demzufolge nicht gerade zimperlich miteinander um?

1. Individualdistanz

Ein Hund zeigt dem Kollegen auf, dass er ihm zu nahe ist. Verständlich, wir mögen es auch nicht, wenn uns fremde Menschen zu nahe kommen. Selbst bei vertrauten Menschen ist ein gewisser Abstand machmal angenehmer. Die berühmte Armlänge fühlt sich für Viele am Besten an.

So, ist nun wirklich unser Problem mit unserem Hund, dass er uns zu nahe kommt? Mit Sicherheit nicht. Unser Problem ist doch eher, dass er nicht nahe genug kommt, stimmt's?

2. Ressourcen. Sprich Futter, Spielzeug, Partner

Hunde verteidigen ihre Ressourcen. Wir im Übrigen auch. Jeder.
Ressourcen sind wichtig, vor allem Futter. Das ist überlebenswichtig. Was also tun, wenn ich an das Futter oder eine andere Ressource meines Hunde will? Na klar, ich biete ein adäquates Tauschobjekt. Macht für beide Seiten Sinn und gibt ein gutes Gefühl. Muss ich das Futter meines Hund wegnehmen, seine Beute, seine Fundstücke, sein wasweißichwas, dann biete ich ihm als Entschädigung zum Beispiel ein Stückchen Käse. Hund denkt: "Prima Sache! Wenn mir was von meinem Menschen weggenommen wird, bekomme ich eine Entschädigung, also hab ich in Zukunft kein Problem mehr damit."

Was bleibt nun noch übrig an "nicht gerade zimperlich untereinander"?

Niemals wird sich das "nicht gerade zimperlich" auf Ungehorsam beziehen. Ungehorsam gibt es in der Tierwelt nicht.

Bitte bedenken Sie immer wieder: Wir leben mit einem Wesen zusammen, welches uns mehr liebt als uns je ein Mensch auch nur annähernd lieben wird, und welches eine völlig andere Sprache spricht als wir. Sollte es wirklich unser Ansinnen sein, zu überlegen, wie wir dieses Wesen strafen oder ihm ein unangenehmes Gefühl verschaffen können?


Das was ich in meinem Unterricht lehre heißt nicht:

Hunde auslasten, Hunde auspowern, Hunde trainieren, Hunde erziehen, Hunden Tricks beibringen, Hunde vorführen, mit Hunden angeben, Hunden Fehlverhalten abgewöhnen, Hunde als Sportpartner hernehmen, Hunde beschäftigen, Hunden etwas beibringen, mit Hunden üben, Hunde abrichten, Hunde dressieren, Hunde schulen, Hunde ausbilden, Hunde benutzbar machen, Hunde umformen, Hunde clickern, Hunde vorzeigbar machen, Hunde arbeiten lassen, Hunde zum Gehorsam bringen, Hunde normen, Hunde umformen, Hunde strafen, Hunde maßregeln, Hunde schimpfen, Hunden ein Rudelführer sein....
Nein, es heißt einfach nur Mit Hunden Sein. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin mit meinen Hunden so wie ich mit meinem Partner bin, mit meinen Freunden bin, mit meinen anderen Tieren bin.
Im Prinzip eine völlig einfache und logische Sache. Und doch für viele so schwer.



Andere Länder - andere Sitten


Diesen Text schrieb meine beste Freundin, und ich finde, er paßt hier auf diese Seite:
Hallo liebe Leute, ich hatte ja vor ein paar Wochen mal um Ratschläge gebeten, weil ich nach Shanghai reisen sollte und etwas Angst davor hatte, dort schreckliche Tiermärkte oder sonstiges Elend zu sehen. Nun wollte ich mich kurz rückmelden. Ich bin jetzt seit einer Woche hier und es ist einfach nur wunderschön. Alle sind entspannt, keine Hektik, alle sind nett zueinander.(außer beim Drängeln an der Sbahn, das ist ungewohnt herb, aber ohne jede Aggresion) Kinder streiten nicht miteinander, sondern spielen friedlich, im chaotischen aber dank zahlreicher Elektrorollern ruhigem Straßenverkehr fällt kein böses Wort, wo in Deutschland sich schon jeder zu Tode gehupt oder geschrien hätte, kein Kind wird angeschrien oder hart zurechtgewiesen.
Auch der Umgang mit Tieren ist extrem sanft und lieb, soweit ich es gesehen habe. Kois im Teich und Strassenkatzen werden behutsam gestreichelt und gefüttert, kein Kind haut da ( wie bei uns manchmal) zum Spaß drauf, und zu den Hunden sind alle sanft und freundlich. Alle Hunde gehen am Geschirr oder ganz frei, würgehalsbänder oder sonstige Erziehungsmaßnahmen habe ich noch überhaupt nicht gesehen. Da wird nie ein Hund mit Befehlen "Sitz, Platz, aus!" traktiert, zum Befehlsempfänger degradiert oder gar a la César Milan gewürgt oder eingeschüchtert. Die wirklich unschönen Szenen mit Hunden habe ich bisher leider vor allem in Deutschland gesehen. Hier laufen die Hunde einfach entspannt neben ihren Menschen her, und wirklich niemand stört sich an Ihnen oder maßregelt sie. Mag sein, dass meine eine Woche Shanghai jetzt nicht repräsentativ ist, und natürlich werden hier sicher auch, wie überall, schlimme Sachen mit Tieren angestellt. Aber ich finde es schon beachtlich, welche Hetze da in Deutschland stattfindet, von wegen die Chinesen haben eine andere, einfach harte Einstellung zu Tieren, auf die ich auch rein gefallen bin. Ich finde es eine sehr schöne und auch beruhigende Erkenntnis, dass diese Hetze falsch ist. Und da hatte @Martin Vierthaler doch recht, man muss sich die Dinge manchmal doch selber anschauen, statt vor lauter Angst vor dem Elend der Welt einfach gar nichts mehr sehen zu wollen. Ich zumindest habe hier in Shanghai eine ganz unerwartete, große Schönheit, Ruhe und Harmonie im Zusammensein erlebt, von der ich versuchen werde, mir eine Scheibe abzuschneiden. Anbei noch ein Foto von einem
Hund in einem Restaurant, nicht auf dem Teller, sondern ordentlich auf einem eigenen Stuhl, mit seinem Getränk vor der Hundenase. Was gäbe das für ein Geschrei in München!


Unsere Spiegel


Wie können wir von unserem Hund Ruhe und Entspannung verlangen, wenn wir selber nie in die Ruhe kommen? Körperlich wie geistig.

Wie können wir von unserem Hund Unbeweglichkeit verlangen, wenn wir selber ständig ohne es zu bemerken herumzappeln?

Wie können wir von unserem Hund Disziplin verlangen, wenn wir selber undiszipliniert sind?

Wie können wir von unserem Hund Freundlichkeit verlangen, wenn wir ihm gegenüber unfreundlich sind?

Wie können wir von unserem Hund menschliche postitive Eigenschaften verlangen, wenn wir ihn ständig unmenschlich behandeln?

Wie können wir von unserem Hund stetige gute Laune verlangen, wenn wir uns ihm gegenüber übellaunig präsentieren?

Wie können wir von unserem Hund erwarten, dass er uns versteht, wir uns aber nie die Mühe machen, ihn zu verstehen?

Wie können wir von unserem Hund Beständigkeit und Berechenbarkeit verlangen, wenn wir selber unbeständig und unberechenbar sind?

Wie können wir von unserem Hund Achtsamkeit verlangen, wenn wir selber ihm gegenüber unachtsam sind?


Unser Hund ist unser Spiegel. Es liegt an uns, ihm ein gutes Vorbild zu sein, ihm zu zeigen, was wir von ihm wünschen, indem wir ihm zeigen, dass wir es selber längst können. Muss ich einem Wesen welches mich liebt meine Erwartungshaltungen andressieren, um mit ihm eine gute Zeit zu haben?


Ruhe geben

Szene in einem meiner Hundehotels in denen ich arbeite, gestern beim Abendessen: Das übliche SITZ!PLATZ!SITZ!PLATZ! in der Endlosschleife, um die aufgeregten und gestressten Hunde im Hotelrestaurant in eine vermeindliche Ruhe zu bringen.

Es kann nicht funktionieren!

Ich kann einem aufgeregten Wesen keine Ruhe geben, indem ich Körperpositionen von ihm verlange. Ginge bei Ihnen auch nicht.

Ein kleiner Basenji schrie wie am Spieß vor Streß, eine Rasse, die eigentlich eher schweigsam sind. Positiver Streß, denn er war ob der vielen Hunde sehr aufgeregt und wollte zu allen hin. Obwohl seine Menschen wirklich lieb zu ihm waren, konnten sie auch nur auf Ihr Kommandorepertoire zurückgreifen.

Nach meinem Vortrag nach dem Abendessen riet ich ihnen fürs Frühstück die Leine sanft zu verkürzen (so dass er dicht bei seinem Menschen ist) und sich aufs Essen zu konzentrieren. Das geht bei unserem Hund niemals!" riefen sie.

Da sitzen sie nun am Morgen beim Frühstück - mit einem zufrieden schlafenden Hund.

Es kann so einfach sein.



Hilfe, mein Hund bellt! - Völlig normales Hundeverhalten: Das ist seine Sprache.

Hilfe, mein Hund schnüffelt und markiert! - Völlig normales Hundeverhalten: Das ist seine Kommunikation, sein Facebook.

Hilfe, mein Hund schlingt! - Völlig normales Hundeverhalten: Hunde schlucken im Ganzen und müssen nicht das Essen zermahlen.

Hilfe, mein Hund will draußen immer vorne gehen! - Völlig normales Hundeverhalten: Der Hund hat draußen mit Ihnen Spaß und will was erleben.

Hilfe, mein Hund knurrt, wenn ich ihm sein Futter wegnehme - Völlig normales Hundeverhalten. Das Verteidigen von Ressourcen ist letztendlich überlebenswichtig.

Hilfe, mein Hund frißt Fäkalien! - Völlig normales Hundeverhalten: Eine Folge der Entwicklung vom Fleischfresser Wolf zum Allesfresser Hund. Daher die Bezeichnung Köter. Köter kommt von Kotfresser.

Hilfe, mein Hund rammelt! - Völlig normales Hundeverhalten: Das dient zum Einen dem Streßabbau, aber vor allem macht es Spaß. Uns übrigens auch.

Hilfe, mein Hund wälzt sich in übelriechenden Dingen - Völlig normales Hundeverhalten: Das ist sein Parfum.

Hilfe, mein Hund klaut Essen, wenn ich den Raum verlasse! - Völlig normales Hundeverhalten: Unbewachte Ressourcen gelten für Hunde in ihrer Welt als freigegeben.

Es sind in der Regel die hundetypischsten Verhaltesweisen, die uns an unserem Hund abstoßen, die uns nicht gefallen, die wir an unserem Hund nicht mögen, nicht wollen, nicht akzeptieren, nicht tolerieren.

Warum dann ausgerechnet ein Hund? Wäre nicht ein anderes Haustier geeigneter?


Behandeln Sie Ihren Hund so, dass Sie jederzeit mit ihm tauschen würden und nicht erst im nächsten Leben.



Strafen


Bezugnehmend auf mein voriges frage ich Sie jetzt:
Wie oft am Tag schimpfen, strafen, ermahnen und maßregeln Sie Ihren Hund? Machen Sie sich doch mal eine Strichliste. In meinen Kursen weise ich meine Teilnehmer immer wieder darauf hin, und erst dann merken sie, dass dies beim Zusammensein und vor allem beim Spaziergang mit dem Hund teilweise unbewußt im Minutentakt erfolgt. Sind wir uns und unserer Wahrnehmung gegenüber schon so abgestumpft? Dass dieses Dauergenögle schon die normale Kommunikation mit unserem besten Freund darstellt? Mit dem Wesen, welches uns mehr liebt als es je ein Mensch in unserem Leben tun wird?

Möchten Sie wirklich immer noch mit Ihrem Hund tauschen?


Weil ich immer wieder darauf angesprochen werde, denn alle meine fünf Mädels haben einen dieser extrem günstigen Adressanhänger:
Wenn Ihnen mal ein Hunde wegläuft, weil er erschrickt, jagen geht oder aus einem anderen Grund. Verlassen Sie sich nicht auf die Tassomarke. Leute, die nichts mit Tieren zu tun haben, werden weder wissen, was Tasso ist, noch Interesse daran haben, einen fremden Hund anzufassen, um ihn nach seiner Identität zu untersuchen. Diese Adressanhänger, auf denen ich meine Handynummer mit Ländervorwahl beidseitig eingravieren lasse und am Rückenring des Geschirres befestige (einer von -zig Gründen, ausschließlich ein Brustgeschirr zu verwenden), ist die beste Garantie, sofort vom Finder einen Anruf zu bekommen. Er muss dazu den Hund nicht berühren, sondern kann es bequem ablesen und sofort ins Handy eintippen. Kein Umweg über Tasso, Tierarzt oder Tierheim mehr nötig. Ich denke, dass die rote Herzform auch noch mehr dazu beiträgt nach außen zu signalisieren, dass hier jemand seinen Hund wirklich liebt und ihn sehr vermisst.
http://www.ebay.de/…/2-Stuck-Hundemarken-Herz…/322385851390…


Tiere rufen?

Haben Sie schon mal beobachtet, wie Reiter ihre Pferde rufen, wenn sie sie von der Weide holen? Wie Leute ihre Katze rufen? Wie Bauern ihre Hühner locken? Wie Leute Tiere anlocken? Wie sie einen fremden Hund ansprechen, wenn sie möchten, dass er zu ihnen kommt?

Ist es nicht verkehrte Welt, dass man ausgerechet seinen eigenen Hund, ein vierbeiniges Familienmitglied, den besten Freund des Menschen wie einen Soldaten, wie einen Sklaven, wie einen Gefangenen, wie einen Feind ruft?

Wie möchten Sie, dass Ihr bester Freund, Ihr Sozalpartner Sie ruft, wenn er was von Ihnen möchte? Ist Ihnen schon aufgefallen, dass wenn die Stimme fröhlich war, Sie sofort reagierten, Ihr Blick sofort erwartungsvoll in die Richtung des Rufenden ging? War die Stimme jedoch barsch, ärgerlich oder genervt, wussten Sie doch gleich, dass als Nächstes etwas Unangenehmes folgte, nicht wahr?

"Der soll gefälligst hören!" Ach tatsächlich?
Dann hören Sie sich doch das nächste mal selber zu beim Herbeirufen Ihres Hundes. Würden Sie kommen?

Seien Sie achtsam, seien Sie selbstkritisch. Man bekommt nichts geschenkt im Leben.

www.mithundensein.de



Warum so schlecht gelaunt?

Wenn ich so durch die Lande ziehe, fällt mir immer wieder auf, dass die Hauptkommunikation zwischen Mensch und Hund aus einem äußerst barschen Ton, Kommandos oder Maßregelungen besteht. Und dazu kommt, dass die Hundehalter, wenn sie mit ihrem "besten Freund des Menschen" zusammen sind, meist einen ziemlich übellaunigen (in Bayern würde man sagen: grantigen) Gesichtsausdruck haben.
Seltenst hört man freundliche, warme oder liebevolle Töne, bzw. Lob.

Gingen diese Menschen so mit ihrem Partner oder ihrem besten Freund um, hätten sie mit Sicherheit in kürzester Zeit niemanden mehr.

Der Hund als Ventil für Alltagsfrust? Für das Verlangen von Perfektion und Diszipin von einem Tier mit einem IQ eines zweijährigen Kleinkindes?

Reflektieren Sie doch mal bitte, wie oft Sie innerhalb eines Tages Ihren Hund schimpfen, wie oft Sie strafen, wie oft Sie Ihre Wut und Ihren Frust am angeblichen Ungehorsam Ihres Hundes auslassen.

Wie würde Ihr Leben aussehen, wenn die Menschen die Sie lieben Ihnen rund um die Uhr sagen würden, wass Sie alles falsch machen und Ihnen nie helfen würden, Dinge zu verstehen, Ihnen nie einen richtigen Weg für Problemlösungen aufzeigen würden?

Praxisbeispiel:

Hund mit Autoaggression (Selbstverstümmelung)

Eine Kundin mit zwei kleinen Hunden, die im Hundesportverein Agilitiy, Cavletti und Obedience ausbildet und leidenschaftliche Turnierteilnehmerin ist, macht bei mir einen Einzeltermin, da ihr 2-Jähriger Yorky-Pudel-Mix (aus dem Auslandstierschutz mit schlimmer Vergangenheit) Probleme bei Hundebegegnungen hat und sich in der Box im Auto wie wild im Kreis dreht. Des Weiteren ist er im Freilauf nicht abrufbar. So geht er seit einem dreiviertel Jahr, also seit er bei ihr ist, an der Leine, an der er ziemlich zieht.

Also viele Baustellen auf einmal.

Als ich der Kundin vor unserem Termin im Hundehotel im Hotelflur mit meiner lieben Bianca kurz über den Weg lief, hingen die beiden zarten Hunde an ihren Halksbändern fast wie an einem Galgen auf den Hinterpfoten an der Leine, die die Halterin hektisch nach oben zog. Die beiden Hunde kläfften wie verrückt und waren von ihr nicht zu beruhigen. Wie denn auch? Sie sehen einen Hund, haben damit ein Problem (Unsicherheit) und drohen in dem Moment zu ersticken, weil ihr Kehlkopf mechanisch nach innen gedrückt wird. Zudem werden die Karotiden (Halsschlagadern) kompressiert, also das Gehirn minder durchblutet. In so einer Situation kann kein Lebewesen ruhig bleiben, da es davon ausgeht, dass es gleich stirbt. Ginge uns nicht anders.

Bei unserem Termin startete ich wie immer gleich, also mit dem Stehen und Entspannen des Halters. Das Halsband wurde gegen ein gutsitzendes Brustgeschirr mit Kehlkopffreiheit (Camiro oder Stake Out) eingetauscht, so dass der Hund auch wenn er zieht (oder der Halter zieht, was genauso oft vorkommt), frei atmen kann.
Dazu eine leichte ein-Meter-Leine.
Die Ruhe der Kundin (die sehr zur Oberkörperverspannung neigte) ging schnell auf den kleinen Hund über, und das erste Mal konnte er beängstigenden Dinge in Ruhe ansehen und ohne Hektik verarbeiten. Nichts wurde korrigiert oder reglementiert. So schenkte er seinem Menschen einen Blickkontakt nach dem anderen, der dies mit einem leisen freundlichen Feedback erwiderte. Kommunikation zwischen zwei Spezies.
Der Hund zog für sich den Schluß, dass die Leine nach einem Meter zu Ende ist, was eine neutrale Erfahrung ist. Keiner meiner Kunden konnte dies jemals von alleine durchhalten. Wir sind so weg von unserem Körpergefühl und unserer Wahrnehmung, kommen unbewußt immer wieder ins Kämpfen, verlangen aber Gehorsam und Perfektion von unserem Hund.
Das Gehen an der Leine klappte wunderbar und entspannt, und auch die Hundebegegnungen wurde dank der erlernten Ruhe der Hundehalterin immer unspektakulärer. Für Hund und Mensch. Denn wer einen Partner an seiner Seite hat, der schützen kann und Sicherheit vermitteln kann, dem gibt man sich hin, dem vertraut man.

Mit dieser Vorarbeit gingen wir an das Hauptproblem: Die Transportbox im Auto. Auf der Rampe läuft das Hundchen immer erwartungsvoll rein, und in dem Moment wo die Tür zu ist, geht es los. Und ich konnte mich davon überzeugen. Er begann wie wild zu knurren und schreckliche Geräusche von sich zu geben, während er sich gleichzeitig immer und immer wieder in seine Schwanzwurzel biß, während er sich manisch blitzschnell im Kreis drehte. Was muss das Tier erlebt haben, dass es zu so einer massiven Neurose kam? Also Hund raus aus dem Auto, und wieder kamen wir in die Ruhe. Dann ließen wir ihn erneut auf die Rampe, und ab da wurden alle Handgriffe in Zeitlupe erledigt. Die Boxentür blieb erst mal offen, und die Hundehalterin stellte sich einfach vor den Kofferraum und machte nichts, außer sich zu entspannen und den Fokus weg vom Hund zu richten. Und was passierte in kürzester Zeit? Der Kleine legte sich hin. Wir schlossen die Tür - er bleib liegen. Wir brachten den zweiten Hund dazu, und er bleib liegen und entspannte sich. Genauso wie sein Frauchen.

Um das Ganze jetzt mal zu Ende zu bringen: Freilauf war dann auch kein Problem mehr, das Herrufen auch nicht, da der kleine Kerl gar nicht mehr aufhören konnnte, sein Frauchen anzuschmachten.

Mein Job war getan - der von der Hundehalterin fängt jetzt erst an. Und das wird lebenslänglich gehen. Ruhe, nichts wollen, entspannen, keinen Streß, innerlich gelassen bleiben. Und bitte keinen Hundesport, der Streß, Hektik und Adrenalin bedeutet.


Praxisbeispiel:

Schäfermischlingshündin, 3 Jahre, wurde vor ca. einem Jahr immer aggressiver bei Hundebegegnungen. Es gab auch schon einige Beißvorfälle. In der Nachbarschaft war sie berüchtigt, jeder hatte Angst vor ihr. Auch die Hundehalterin war schon geächtet.

Mutmaßlich war der Auslöser eine Mobbingerfahrung in der Hundeschule. Wir wissen die Gründe nicht und werden sie nie erfahren. Wir können nicht in die Köpfe unserer Hunde hineinschauen. Jeder Hund ist anders - jeder Mensch ist anders. Was den einen kalt läßt, ist für den anderen der Supergau schlechthin.

In solchen Fällen beginne ich immer mit dem Erarbeiten der Ruhe und der Freundlichkeit (immer mit Brustgeschirr) seitens des Hundehalters. Denn solche Hunde erleben in der Regel immer wieder das Selbe: Hund wird wütend - Mensch wird wütend.

Kann die Wut eines Individuums durch die Wut des Gegenübers vermindert werden? Definitiv nicht! Versetzen Sie sich einmal in so eine Situation hinein. Waren Sie schon mal richtig sauer? Aber so richtig? Mit Rumschreien und allem Drum und Dran? Hätte Ihr Partner Sie dafür angeschrieen, wäre es dann besser geworden oder wären Sie noch wütender geworden? Auf den privaten Fernsehsendern haben Sie das sicher schon oft gesehen, wenn Sie diese nachmittags eingeschaltet haben. Wie kommt so etwas rüber?
Richtig: Ziemlich assozial, nicht wahr? Einer mehr als der andere, im Prinzip alle beide. Unangenehme Situation. Da möchte niemand gerne einer der beiden Agierenden sein oder live dabei sein.

Waren Sie schon mal so richtig stocksauer, und ein guter, kluger und weiser Freund war bei Ihnen und hat sie beruhigt, Ihnen Mut zugesprochen, ja gar Ihnen eine andere, vernünftigere Sichtweise aufgezeigt? Den Arm um Sie gelegt, und gesagt: "Komm, so schlimm ist es doch auch nicht! Lass uns das gemeinsam angehen. Ich helfe Dir!" Das fühlt sich gut an. Man fühlt sich ernst genommen, man bekommt ruhigen Zuspruch und der andere zeigt einem eine Alternative, eine Möglichkeit, den Auslöser der Wut noch mal zu überdenken.

Den Wind aus den Segeln nehmen nennt man das. Das ist etwas Positives. Für den der es tut und für den, der es erlebt. Man kommt ins Reflektieren.

Da wir uns mit einem Hund nicht wie mit einem Menschen ruhig unterhalten können, also den Inhalt unserer Worte wirken lassen können, liegt es an uns - die wir klüger und vernünftiger sind - dem Hund dies in seiner Sprache zu vermitteln. Der Körpersprache und der inneren Haltung. Ruhe, Entspannung, Gelassenheit, Souveränität, Freundlichkeit. So nimmt man einem Wesen den Wind aus den Segeln. Ich bereite einem Wesen ein positives und angenehmes Gefühl und überdecke damit eine negatives Gefühl. Niemand wird er ein negatives Gefühl einem Positiven vorziehen. Und ein positives Gefühl kann kein negatives Gefühl verstärken, aber es kann es löschen. Gefühle sind nicht steuerbar, weder an- noch aberziehbar.

Und daher ist das ein wunderbarer Ansatz, einen vor Wut schäumenden Hund zurück in die Gelassenheit zu bringen. Das dauert natürlich und geht nicht von heute auf morgen. Beim Menschen auch nicht.

Zurück zur besagten Hündin. Ihr Wut saß so tief, so dass die Veränderung, die wir erreicht haben relativ gering war. Aber es gab eine Veränderung: Sie war zumindest wieder ansprechbar in so einer Situation. Und jetzt setzten wir eines drauf. Wann immer die Hündin das Fixieren andere Hunde anfing, bzw. wann immer die Leine sich schon zu straffen begann oder sie schon wütete, holten wir sie aus ihrem Film raus, und sie bekam Leckerchen.

"Wir haben aber gehört, dass wir dem Hund damit zeigen, dass wir es gut finden, wenn er wütend ist und bellt!" riefen die Hundehalter entsetzt.

Nein, das ist nicht möglich! Ein positives Körpergefühl, ein positives Erlebnis kann aus biologischen und neurochemischen Gründen kein Negatives verstärken. Weder beim Hund noch beim Menschen. Gefühle kann man nicht an- oder aberziehen. Diese entstehen unweigerlich aus einer Situation heraus. Sie sind definitiv NICHT steuerbar.

Und so bewirkten wir einen entscheidenden Effekt.
Die Hündin zog für sich den Rückschluss: "Hunde treffen ist lecker!" Und: "Frauchen ist eine ganz coole Socke!"
Zwei Volltreffer!

Und so muss ich dem Hund nichts beibringen, sondern ihm einfach nur in negativen Situationen eine gute Zeit vermitteln, ihm zeigen, dass ich bei ihm bin und mich völlig anders verhalte als er:
Als ein gutes Vorbild.

Wir konnten der Hündin dann sogar Freilauf verschaffen, was vorher undenkbar war. Sie wäre sofort auf jeden Hund zugeschossen und hätte gebissen! Und jetzt war der Freilauf ein riesen Spaß, und wenn Frauchen fröhlich und unbeschwert rief, war alles super!


"Aber man sagt doch, der Hund soll.....",
 
"aber es heißt doch, der Hund darf dieses und jenes nicht...", "ich habe gehört, dass man das so handhaben soll..." , "aber in der Hundeschule hat man gesagt, dass ich das nicht machen darf...".

Wer zum Teufel ist "man"? Eine höhere Instanz? Jemand der den Stein der Weisen entdeckt hat? Eine Gottheit? Die Masse? Die Allgemeinheit? Ein Allwissender?

Liebe Hundehalter, bitte seien Sie klug, und hinterfragen Sie grundsätzlich alles, was Ihnen gesagt oder geraten wird. Und vor allem, wenn es gegen Ihr Bauchgefühl ist. Wenn jemand mit "man" kommt, dann haken Sie nach. Wer ist "man"? Stellen Sie so viele Fragen, bis die Antwort für Sie wirklich schlüssig ist, bis Sie einen logisch nachzuvollziehenden Sinn ergibt. Bis die Antwort in Einklang mit Ihrem Bauchgefühl, Ihrem gesunden Menschenverstand, Ihrer Empathie und Ihrer Logik zu bringen ist. Informieren Sie sich, und blicken Sie mit wachen Augen um sich.
Lernen Sie Sie Fühlen, Spüren, Wahrnehmen.
Immer!



Warum man zwei angeleinte Hunde nicht zusammen lassen sollte.

Ich predige es immer wieder, und heute hab ich die krasseste Version live erlebt:
Eine Frau mit einem Schäferhund und ein Mann mit einem Boxer, beide Hunde mit Halsband und Leine treffen auf der Straße aufeinander. Und nur weil hier auf Sylt gerade die sogenannten Hundstage sind, sollte das kein Freibrief sein, dass jeder Hund jeden zwingend begrüßen muss. Ich falle hier auch nicht jedem Mann um den Hals.
Schwanzwedelnd beschnüffeln sich die beiden begeistert, und innerhalb von Sekunden kippt plötzlich die Situation. Der Boxer verbeißt sich im Gesicht des Schäferhundes und läßt nicht mehr los. Die Geräusche, die von den Hunden kommen klingen richtig gruselig. Der Mann fängt an mit seinem Apportel auf den Kopf seines Hundes einzuschlagen, was diesen selbstverständlich dazu bringt, noch fester zuzubeißen. Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Ich nähere mich mit meiner Schäferhündin Bianca ruhig dem Szenario und rufe dem Mann zu, dass er die Hinterbeine nehmen soll und seinen Hund in den Handstand bringen soll. Zack, war die Sache erledigt. Ein Dankeschön bekam ich natürlich nicht. Egal.
So, warum soll man zwei einander unbekannte Hunde nicht zusammen lassen?
Beide wissen, dass sie im Falle eines Falles nicht fliehen können. Und bevor der eine anfängt sich als Angreifer zu entpuppen und man dann die Arschkarte gezogen hat, dreht man lieber den Spieß um und greift sicherheitshalber selber als erster an.
Wie im Wilden Westen, wo es darum geht, wer zuerst den Colt zieht.
Und so entstehen ratzfatz selbst unter den nettesten Hunden richtig ernste Beißereien.
Man hat bei freilebenden Hunde immer wieder beobachtet, dass sie sich aus dem Weg gehen, eben um solche Konflikte zu vermeiden.
Bitte nehmen Sie bei Hundebegegnungen an der Leine Ihren Hund kurz und nach außen und gehen Sie einfach weiter oder gehen sie, wenn es die Örtlichkeit erlaubt einen Bogen.

Ein "Vorsicht! Meiner hat Flöhe!" spart umfangreiche Erklärungen.


Disziplin

Ich kennen keinen einzigen Menschen, der 24 Stunden am Tag diszipliniert ist, der zu 100% berechenbar ist, der alles was man ihm befiehlt aufs Perfekteste und ohne zu hinterfragen ausführt, der keinerlei Emotionen zeigt, der weder Zeitung liest, noch Facebook benutzt, der keinerlei Interesse an anderen Menschen zeigt, der selbst im eigenen Heim perfekte Tischmanieren hat, der sich nie streitet, der nie wütend ist, der nie NEIN sagt, der nie aus der Haut fährt, der die besten Manieren zeigt, selbst in Ausnahmesituationen.

Merkwürdigerweise sind genau die Menschen, die all dies von ihrem Hund erwarten genau das Gegenteil von oben Genanntem.



Vermenschlichen

Wie kommt man dazu von "vermenschlichen" zu reden bei einem Tier, welches wie ein Mensch fühlt, denkt, Schmerz und Freude empfindet, lebt, leidet und liebt? Nur weil ich dieses Wesen genauso behandle wie einen Menschen, den ich liebe?
Wir sind alle nur Säugetiere, lediglich die Bibel hat dafür gesorgt, dass wir auf die Idee kamen, uns über die Tiere erheben.



Hundebegegnung


Was lernt ein Hund, der an der Leine ein Problem bei Hundebegegnungen hat und dafür von seinem Menschen gemaßregelt/gestraft/angeschrien wird?

Dass Hundebegegnungen noch schrecklicher sind, als er bislang annahm. Und so werden die Hundebegegnungen für den Hund immer schlimmer werden, und der Mensch wird in Folge dessen immer mehr maßregeln/strafen/schreien.

Ist dem Hund damit geholfen?



Hund - Deutsch      Deutsch - Hund



Es ist jetzt wissenschaftlich erwiesen, dass unsere Hunde ganze Sätze verstehen. Die Authentizität und Betonung trägt ihr Übriges dazu bei. Und ich spreche hier nicht von dem üblichen militärischen Befehlen. Das predige ich seit Jahren und habe in Buch 3 dazu auch einige Erfahrungswerte dazu gepostet, die mich selber jedesmal aufs Neue verblüfften. Hunde studieren uns, unsere Körpersprache, unsere Sprache und unsere individuelle Ausdrucksweise so genau. Würden wir uns nur annähernd die Mühe machen, unsere Hunde genauso zu lesen, gäbe es keine Missverständnisse mehr zwischen uns. Leider neigen wir dazu, uns unseren Hunden im gesprochenen Wort und gleichzeitig in der Körpersprache so dermaßen konträr zu präsentieren, dass der Hund zurecht verwirrt ist. Der Hund hat einen IQ eines 2-jährigen Kindes und darauf müssen wir uns jeden Tag aufs Neue einstellen. Und unser Hund liebt uns auch wie es unser 2-jähriges Kind tun würde - echt, unverfälscht, ohne Hintergedanken und ohne Bedingungen.


Social Support


Wenn ich einem Hund, der Angst oder ein Problem hat, keine Hilfe bin, also ihm keinen Trost und keine Unterstützung anbiete, wird er sich in Zukunft auch im Freilauf im Falle einer kritischen Situation NIEMALS an mich wenden, sondern sein eigenes Ding durchziehen. Und wir sind dann außen vor.



Ich brauche keinen wohlerzogenen Hund und keine Befehle ausführende, willenlose Kommandomaschine.

Ich brauche einen vierbeinigen Freund, der mit mir durch Dick und Dünn geht und mit dem ich durch Dick und Dünn gehen darf.


Verständnis


Wir legen soviel Energie, Emotionen, Ehrgeiz, Trainingseinheiten, Erziehung, Wut, Unmut und Frust an den Tag, damit unser Hund uns versteht.
Anstatt dass wir uns einfach mal die Mühe machen, unseren Hund, seine Welt, sein Verhalten, seine Empfindungen, sein Leben, seine Sorgen, seine Ängste, seine Denke und sein Hund sein zu verstehen.



Liebe

Es ist für mich das Unverständlichste überhaupt:
Da hat man ein Tier - wohl gemerkt: Ein TIER in seinem Haus, das einen liebt...bedingungslos. Und man überlegt, wie man es erzieht, trainiert, bestraft, zum Gehorsam zwingt oder bringt und sich mit ihm profiliert.
Wie wäre es statt dessen mit Dankbarkeit, Demut und der Idee, diese bedingungslose Liebe zurück zu geben?


Brustgeschirr

Ich habe neulich mal schnell im Vorbeigehen ein Ehepaar mit einer massiven englischen Bulldogge, die zog wie der Teufel vom Halsband zum Camiro Standart Brustgeschirr und einer ein-Meter-Leine überredet. Widerwillig ließen sie sich darauf ein.
Eine Stunde später traf ich sie draußen. "Ein Unterschied wie Tag und Nacht! Wir sind restlos überzeugt!" strahlten sie. An der durchhängenden Leine ging der kräftige Jungrüde mit ihnen mit.
So einfach kann es sein.



Emotionen

Unsere Hunde nehmen unsere momentane Stimmung und Verfassung besser wahr als unsere Mitmenschen. Und sie spiegeln uns, unsere Stimmungen und Emotionen eins zu eins wieder.



"Wenn er mich jetzt so kratzt, soll ich ihn ignorieren, hat man mir in der Hundeschule gesagt."
"Nein, wenn er Dich kratzt, heißt das, dass er gestreichelt werden möchte - und dann streichle ihn bitte auch."
Das nennt man taktile Kommunikation, also Kommunikation über Berührung. Sei es ein liebevolles Anstupsen mit dem Näschen, das unter die Hand kriechen oder eben das Pföteln. Und das ist eine Aufforderung zum Schmusen. Warum sollte man ausgerechnet beim Hund auf so etwas mit Ignoranz reagieren? Bei einem Kind tut man es doch auch nicht, wenn es sich nach Liebe sehnt. Bei einer Katze auch nicht.
Warum muss eigentlich immer unser Hund unsere Machtgedanken ausbaden? Warum ausgerechnet das Wesen, welches uns mehr liebt als es je ein Mensch in unserem Leben tun wird? Warum haben wir so eine panische Angst vor unserem Hund? Hängen uns Grimms Märchen aus unserer Kindheit vom bösen Wolf wirklich immer noch so nach?
Liebe Hundehalter, wenn Euer vierbeiniger Freund sich nach Euren Berührungen sehnt, dann erfüllt ihm doch diesen kleinen Wunsch.
Ich habe noch keinen Hund erlebt, der angeblich Chef wurde, weil er liebevoll gestreichelt oder gekrault wurde. Wie soll das verhaltesbiologisch bei einem so hochsozialem Wesen zu erklären sein?


Gegenleistung?

In einem der Hundehotels in denen arbeite kam eine Servicekraft auf uns zu, um meine Hunde zu streicheln. "Darf ich ihnen was geben?" - "Gerne, da freuen sie sich." - "Müssen sie vorher SITZ! machen?" - "Um Gottes Willen, nein!" entfuhr es mir. "Das wollen die Meisten", erklärte sie mir entschuldigend.
Erstaunlich, oder? Da will man s/einem Hund eine Freude machen und schafft es nicht, dies zu tun, ohne eine Bedingung dran zu knüpfen?
Schenke ich einem Kind eine Schokolade, komme ich doch auch nicht auf die Idee, dass es diese erst bekommt, wenn es ein Gedicht aufsagt.
Mache ich einem Freund ein Geschenk, verlange ich dann kurz vor der Übergabe eine Gegenleistung?
Sollte Schenken nicht einfach Freude machen? Dem Schenkenden und dem Beschenkten?


Was ist Vermenschlichen?

Die Fähigkeit zur Empathie? Die Fähigkeit ein Tier zu lieben? Die Fähigkeit, ein Tier zu verstehen, es so anzunehmen, was/wie es ist? Mit seinen Ecken und Kanten? Die Fähigkeit, Individualität zu erkennen? Die Fähigkeit, sich mit diesem Tier zu arrangieren? Die Fähigkeit zu erkennen, dass es sich um ein Tier handelt, welches die gleich Empfindungen und Gefühle wie ein Mensch hat?

Warum ist Vermenschlichen heutzutage ein Schimpfwort wie bizarrerweise "Gutmensch"? Warum ist Härte ein scheinbar erstrebenswerter Charakterzug?

Wir Menschen sind auch nur Tiere. Die Bibel hat uns vorgegeben, uns über Tiere zu erheben, sie uns untertan zu machen. Und bekämpfen wir deshalb unsere Hunde wie wenn sie unsere Feinde wären?

Uns Menschen unterscheidet von Tieren, dass wir in der Zukunft und in der Vergangenheit leben können. Dass wir um -zig Ecken denken und interpretieren können. Dass wir in einem System leben und uns diesem System beugen müssen, um zu überleben. Dass uns gelehrt wird, dass dieses System uns in Hierarchien unterteilt. Dass wir mit Ellenbogenmentalität dauerhaft gegeneinander kämpfen müssen. Dass wir in eine Konkurrenzgesellschaft reingeboren wurden. Dass wir "gutes Benehmen" haben.
Dass wir den Knigge kennen. Dies alles ist Hunden fremd.

Unsere Hunde sind anders. 15.000 Jahre Domestizierung haben es möglich gemacht, dass Hunde uns dringender brauchen als einen Artgenossen. Dass sie uns mehr lieben als es je ein Mensch in unserem Leben tun wird. Dass sie immer an unserer Seite sein wollen. Dass sie alles gut finden, was wir machen, unter der Voraussetzung, dass wir es für sie nachvollziehbar rüberbringen.

Eine wirkliche Interpretation vom "Vermenschlichen" wäre, dem Hund all dies zu unterstellen, was uns Menschen vom Hund unterscheidet: Das Streben nach Macht, Schuldbewußtsein, gutes Benehmen, Berechnung, Hinterhalt, Sturheit, Zickigkeit, Ellenbogenmentalität, das Unterscheiden von Gut und Böse, Manieren.

Bis vor kurzen sprach man Tieren die Fähigkeit ab, Schmerzen zu empfinden.
Heute weiß man es besser. Seit ein paar Tagen weiß man, dass Hühner Empathie empfinden.

Kommen wir ins Sein, nehmen wir ein Tier einfach als Solches an, tauchen wir in seine Tierwelt ein, lernen wir, es zu verstehen in seiner Tierwelt, dann haben wir eine Chance, ihm auf Augenhöhe zu begegnen, mit ihm zu kommunizieren - als Freund und nicht als Feind.


Eine Hundehalterin schrieb auf meiner Seite, dass sie ihren Hund zur Strafe auf den Boden drückt und so lange festhält bis er ruhig ist. Ich fragte sie, wie sie sich fühlen würde, wenn sie von jemandem auf den Boden gedrückt wird und so lange festgehalten wird, bis sie sich nicht mehr wehrt. "Ich wüßte, dass ich etwas falsch gemacht habe." war wirklich ihre Antwort. Man stelle sich diese Situation einmal 1:1 vor:
Eine Person, die man abgöttisch liebt, stürzt sich plötzlich auf einen und drückt einen zu Boden bis man aufgibt, weil man körperlich nicht mehr in der Lage ist, sich zu wehren. Wie würde die zukünftige Beziehung zu dieser Person aussehen? Würde man ihr noch vertrauen? Oder hätte man in Zukunft immer dieses Misstrauen, dass dieser Vorfall sich wiederholen würde? Würde man eventuell sogar zur Polizei gehen? Wäre das der eigene Partner, würde man sich mutmaßlich von ihm trennen. Käme man wirklich auf den Gedanken, dass man etwas falsch gemacht hat, vor allem, wenn der Partner eine andere Sprache sprechen würde?
Besagte Hundehalterin ging also davon aus, dass in so einem Moment ihr Gedanke sei, dass sie etwas falsch gemacht hatte. Mit Sicherheit wäre das nicht der Fall, aber ich möchte ihr auch nicht wünschen in so eine Situation zu geraten.
So einen Gedanken haben Hunde nicht, das wäre sehr vermenschlichend gedacht. Hunde haben kein Bewußtsein über richtig und falsch. Sie leben im Hier und Jetzt. Sie haben nicht die Denke: "Oh, mein geliebtes Frauchen macht mir gerade richtig Angst und tut mir weh, bestimmt habe ich etwas falsch gemacht. Hmmmm, mal in Ruhe nachdenken, was das wohl sein könnte." Das wäre zuviel verlangt für ein Tier mit einem IQ eines zweijährigen Kindes.
Bitte seien Sie ein gutes Vorbild für Ihren Hund, wenn er in Ihren Augen einen "Fehler" gemacht hat. Zeigen Sie ihm im Vorfeld, wie Sie in dieser oder jenen Situation handeln. Er hat nur Sie als Vorbild und kann nur Ihr Verhalten zum Abschauen nehmen. Hunde lernen am Leichtesten durchs Nachahmen. Bieten Sie ihm ein Alternativverhalten an, das versteht er.
Strafe ist niemals lehrreich, sondern macht einfach nur Angst.


Angst

Nochmal für alle zum MItschreiben:
Angst kann man nicht durch Zuwendung, Liebe, Leckerlis, zärtlicher Berührung und gutem Zureden verstärken.
Bei keinem Lebewesen, und auch beim Hund nicht.

Geschirre im Vergleich

Hier sieht man sehr schön, wie kontraproduktiv ein Norwegergeschirr sein kann. Entweder es liegt auf dem Kehlkopf und behindert die freie Atmung, was beim Hund Streß bedeutet (Atmen ist lebensnotwendig). Oder es wirkt wie auf dem linken Bild wie eine Fesselung. Da die Schubkraft beim Hund aus der Vorhand kommt, könnte man den Sitz dieses Geschirres vergleichen, wie wenn wir uns die Oberschenkel zusammenbinden und losmaschieren würden. Die Folge beim Hund sind Verklebungen der Schultermuskulatur, die sich dann über den ganzen Bewegungsapparat weiterziehen.
Daher bitte immer ein Y-Brustgeschirr verwenden, welches sich erst tief unten am Brustbein zu teilen beginnt wie auf dem rechten Bild.

Auslastung

Ein sonniger, warmer Wintermorgen. Ich gehe mit meinen 5 Hunden (die Pfötchenbande und meine treue Schäferhündin Bianca) über die Wiesen hinter unserem Haus Richtung Wald. Voller Freude rennen alle fünf erst mal los und lassen Dampf ab. Schnell trennen sich ihre Wege. Lucy entdeckt einen spannenden Geruch irgendwo auf der Wiese und geht zielstrebig darauf zu. Die blinde Kitty entdeckt ein Häufchen Fuchskot und nimmt ein ausgiebiges Schönheitsbad. Jessy zupft ein paar Grashälmchen, und die kleine freche Lilly trabt keck und emsig voraus. Bianca springt überglücklich um mich rum und lacht übers ganze Gesicht. Ich bummle langsam voraus, damit alle fünf Hunde Zeit haben, ihrer Beschäftigung nachzugehen, was natürlich unterschiedlich lang dauert. Es ist ihr Spaziergang. Und der dauert so lange, wie ich Zeit habe. Nicht wie weit wir in dieser Zeit kommen ist entscheidend, sondern was die Hunde in genau dieser Zeit machen. Das ist alles was zählt. Es ist ihre Zeit und ihr Spaziergang. Langsam finden alle wieder zusammen. An einer Ecke schnüffeln alle interessiert, mutmaßlich hat der Nachbarshund dort markiert. "Ich war hier", lautet seine Botschaft. Das anlysieren sie mit ihren Riechzellen perfekt. Emsig markieren meine Chihuahuamädels drüber. "Wir auch, und wir gehören zusammen", lautet ihre Antwort. Bianca interessiert das nicht sonderlich. Andere Hunde bzw. deren Hinterlassenschaften sind ihr nicht wichtig.

Die kleine blinde Kitty trödelt mal wieder auf ihrer ewigen Suche nach markanten Gerüchen mit denen sie sich weiter pafümieren könnte.
Ich bleibe stehen, warte und atme tief ein. Die Luft riecht jeden Tag anders. Ich sehe mich um. Das Panorama sieht jeden Tag anders aus, je nach Wetterlage, je nach Jahreszeit. Aber jeden Tag aufs Neue und besonders. Ich muss mal meine Idee verwirklichen und jeden Tag ein Foto von der Alpenkette am Horizont machen, denn sie sieht wirklich jeden Tag anders aus. Auch die Luft riecht jeden Tag anders, aber das kann ich ja leider nicht festhalten. Aber dafür täglich live erleben. Wie meine Hunde.

Da bekommt Jessy ihre "5 Minuten". Aus dem Nichts rennt sie los und zieht in großem Kreisen so schnell sie kann um mich rum. Ich feuere sie begeistert an. Ihr Gesichtchen strahlt. Nach vier Runden kommt sie zu mir und ist zufrieden. Mit sich und der Welt. Sie schmeißt sich auf den Rücken und läßt sich das Bäuchlein streicheln. Dann gehen wir weiter.

Bianca ist voller Energie. Sie beißt in den Brustteil ihres Geschirres und beutelt es, so wie ein Raubtier seine Beute totschütteln würde, um ihr das Genick zu brechen. Dabei galoppiert sie langsam. Sie sieht aus wie ein Lippizaner aus der spanischen Hofreitschule. Sie schaut mich an, wirft sich auf den Rücken und blinzelt in die Sonne, läßt das Geschirrteil aus dem Maul fallen und verharrt. Ich soll sie streicheln. So gehe ich zu ihr in die Hocke, streichle liebevoll ihr Gesicht, ihren Kopf, ihren Bauch. Sie bewegt sich keinen Millimeter und genießt. Die vier andern Mädels bleiben in unserer Nähe und gehen ihren eigenen Beschäftigungen nach. Nur die kleine Lilly rückt näher zu Biancas Kopf, berührt deren Nase kurz mit ihrer und sucht dann meinen Blickkontakt. "Ich hätte auch nichts gegen eine kurze Streicheleinheit", sagt sie mir damit. Daher kraule ich sie auch. Meine Beine schlafen langsam ein, so stehe ich wieder auf und gehe weiter. Schlagartig ist Bianca wieder auf den Beinen und strahlt mich glücklich an. Immer wieder bekommt sie einen kleinen "Rennflash", sprintet ein paar Meter voraus und schmeißt sich auf den Rücken, um sich dann genußvoll im kühlen Gras zu wälzen.

Jetzt hat sie an einer Stelle einen Geruch entdeckt, der sie scheinbar sehr interessiert. Eine Wildspur? Eine Katze? Ich bummle gemütlich weiter, so dass alle die Möglichkeit haben, wieder zu mir zu kommen, wenn sie mit ihren Tätigkeiten fertig sind. Wir haben nicht vor eine bestimmte Kilometeranzahl pro Spaziergang zurückzulegen. Wir sind einfach nur zusammen, draußen an der frischen Luft und sammeln und erleben Eindrücke.

Ein paar Krähen lassen sich in einiger Entfernung nieder. Begeistert kläffend sprintet die kleine freche Lilly los, was die anderen als Aufforderung sehen, genauso enthusiastisch mitzurennen. Die Krähen nehmen das äußerst gelassen und erheben sich erst in letzter Sekunde träge ein paar Meter, was meine Hunde mehr oder minder enttäuscht zur Kenntnis nehmen. Im Prinzip haben sie es ja geahnt, aber den Spaß war es wert.

Oh, hier diese Wiese wurde wohl unlängst mit Stallmist gedüngt. Da gibt es viel zu tun für meine vierbeinigen Freundinnen. Geruch, Geschmack und Konsistenz müssen aufs Genauste geprüft werden. Das kann dauern, also verringere ich mein Bummeltempo noch mehr. Um meine Figur zu halten, dafür sind meine Hundespaziergänge nicht gedacht. Das mache ich dann abends beim Joggen bzw. im Fitnessstudio in meinen Zumbastunden. Das ist dann meine Zeit. Jetzt ist aber Hundezeit - ihr Spaziergang, ihre Auslastung, die Zeit, in der sie ihre Sinne nach ihrem Gutdünken einsetzen können.

Es dauert ein wenig, dann finden sich alle nach und nach wieder bei mir ein. Wir nähern uns dem Wald, aber Lucy läuft mir eine Spur zu zielstrebig in Richtung eines Gebüsches. Jetzt ist einer der seltenen Momente, wo ich sie wirklich gezielt rufen muss, denn das kommt mir spanisch vor. Als sie ihren Namen so fröhlich von mir hört, hält sie inne und entschließt sich für meine Richtung. Ich lobe sie ausgiebig und bedanke mich bei ihr. Aha, ein paar Tempotaschentücher liegen da im Gebüsch. Den Rest an Erklärung spare ich mir an dieser Stelle, um Sie, lieber Leser, zu verschonen. Der unwiderstehlichen Duft, der davon ausgeht, hat nun auch die Nase meiner übrigen Chihuahuas erreicht. Auch sie biegen eindeutig in die Richtung ab. Immer der Nase nach. Etwas "panischer" rufe ich auch sie, aber immer bemüht, das Ganze lustig und gut gelaunt zu gestalten. 14.000 Jahre Domestizierung haben es nun mal möglich gemacht, dass Hunde Fäkalien als Nahrung annehmen und auch annehmen können. Dadurch, dass wir Menschen uns so mannigfaltig ernähren führt es nun mal dazu, dass unsere Fäkalien für Hunde besonders gut duften und leider auch schmecken. Ist so. Hunde fressen alles und können auch fast alles verwerten. Daher der abfällige Name "Köter". Köter kommt von Kotfresser.

Alle entscheiden sich für meine Richung, und auch sie bekommen von mir einen ausgiebigen Text, wie toll sie sind und wie großartig ich sie finde. Das sagt ich ihnen im Prinzip ständig. Ich liebe sie so sehr, und es ist mir einfach ein Bedürfnis, es ihnen zu sagen. Geht mir mit meinem Mann übriges genauso ;-) Der freut sich dann auch :-)

Nun sind wir im Wald. Da gibt es für die Kleinen nicht viel Spannendes, da es hier keine Gerüche von Kollegen gibt und wenig Anreize. So spazieren sie im Autopilotmodus im Gänsemarsch hinter mir her. Ganz anders Bianca. Ihr Jagdtrieb erwacht, und ich muss gut aufpassen, wenn sie was in die Nase bekommt oder etwas erspäht. Sobald ich Gefahr wittere, nenne ich freundlich ihren Namen, sie dreht sich neugierig zu mir um, ist dadurch abgelenkt, bekommt ein Lob von mir, und wir gehen weiter.

Oh, höre ich da einen Motor? Richtig, ein Traktor bahnt sich den Weg durch die schmalen Waldwege, das wird eng werden. Ich renne ein paar Meter los, weil ich weiß, dass dort eine kleine Schneise ist, in die wir uns reinflüchten können. Meine fünf vierbeinigen Freundinnen sausen ohne zu hinterfragen mit, denn wenn Frauchen so zielstrebig lossaust, dann hat das definitiv einen triftigen Grund. Die wird schon wissen was sie tut, also nichts wie hinterher! Rückwärts gehe ich in die Schneise, meine Hunde reihen sich im Halbkreis um mich herum und schauen mir erwartungsvoll in die Augen, Ich atme ganz entspannt aus, bewege mich aber keinen Millimeter, und die fünf machen es mir nach. Ich nicke dem Waldarbeiter in seinem Gefährt freundich zu, er lächelt. Sicher ein ungewöhnlicher Anblick für ihn. Als er weg ist, krame ich aus meiner Gürteltasche fünf Leckerlis raus und gebe sie den Mädels. Gut gemacht, Ihr Lieben! Danke, dass ich mich immer wieder auf Euch verlassen kann!

Ein Jogger kommt uns entgegen. Für die kleine freche Lilly ein Riesenspaß. Jogger und Fahrradfahrer jagen ist für sie das Höchste! Sie kläfft sich schon mal warm. Ich gehe rückwärts an den Wegrand und flüstere:"Mädels?" in genau der Tonlage, die leicht fragend ist. Fünf Augenpaare blicken erwartungsvoll zu mir, und wieder reihen sie sich um mich. "Feiiin!" flüstere ich ausatmend, und bis ich meine fünf Leckerlis umständlich rausgekramt habe, ist der Jogger über alle Berge und somit uninteressant geworden.

Wir gehen den Rundweg zurück zu unserem Haus, und es gibt ununterbrochen unglaublich viel zu sehen, zu riechen, zu fühlen, zu schmecken, zu hören, wahrzunehmen.

Immer wieder legt Bianca ihren Kopf schief und schaut mit gespitzen Ohren auf den Boden. Mit ihrem guten Gehör nimmt sie jede Maus wahr, die da unter dem Gras spaziert. Ein Sprung....schade, nichts war's. Das gleiche Szenario wiederholte sich noch mehrmals... und jetzt hat sie eine erwischt! "Toll, Bianca!" rufe ich ihr zu. Genüßlich schnurpselt sie an ihrer Beute herum und trabt dann glücklich zu mir, der Mauseschwanz hängt noch aus ihrem Maul.

An einer Bank setze ich mich nieder. Weil es so schön ist. Lucy springt hoch, sie will auf meinen Schoß, Bianca buddelt sich schnell hinter der Bank eine kleine Kuhle, in die sich sich reinkuschelt, um sich die Sonne auf ihren Pelz strahlen zu lassen, die blinde Kitty setzt sich an eine warme Stelle, Jessy stromert rum, Lilly schimpft in eine Richtung, um sicher zu gehen, dass kein Bösewicht sich uns nähert. Man weiß ja nie, denkt sie. Prophylaktisch den Säbelzahntiger vertreiben.

Wir gehen weiter, und Bianca nimmt sich einen Tannenzapfen, rennt los, wirft ihn hoch, fängt ihn wieder auf, rennt weiter, läßt ihn wieder fallen, rennt zurück, holt ihn wieder, rennt wieder los, und das Ganze wiederholt sich drei mal. Dann ist er schon uninteressant geworden.

Hui, jetzt hat Lilly ein gebrauchtes Papiertaschentuch gefunden. Wie Bianca mit dem Tannenzapfen schnappt sie es sich, rennt los, läßt es fallen, reißt einen Fetzen davon ab, rennt weiter, läßt diesen wieder fallen und so weiter, bis von dem Fundstück nichts mehr übrig bleibt. Eklig, aber so sind Hunde nun mal.

Wir machen uns langsam auf den Heimweg. Zu Hause bekommt jede eine Karotte, und alle fallen müde aber glücklich in ihre Bettchen und machen ausgiebig Siesta.

Wir waren eineinhalb Stunden im Oma-Bummeltempo unterwegs. Ich habe keine Bällchen geworfen, keine Stöckchen geworfen, kein Spielzeug gehabt, keine Leckerlis ins Gras zum Suchen geworfen, habe meine Hunde über keine Baumstämme springen oder balancieren lassen, sie zu nichts animiert. Keine Kommandos verwendet (sie können und kennen auch kein einziges), keine Gehorsamsübungen machen lassen (können und kennen sie auch nicht), keine Kunststücken machen lassen (kennen und können sie auch nicht), nichts trainiert (was denn auch?), sie nicht "arbeiten" lassen (in der Tierwelt gibt es kein Geld).

Wir waren einfach nur draußen. Und glücklich. Wie jeden Tag.



Verziehen?

"Ich habe Angst, dass ich ihn verziehe", höre ich oft von um Rat fragende frischgebackene Welpenbesitzer. Wie sie sich das "Verziehen" vorstellen frage ich sie dann. Indem sie dem Baby zuviel Liebe, zu viel Schutz, zuviel Körperkontakt, zuviel Streicheleinheiten, zuviel Hege und Pflege angedeihen lassen? Was sollte denn die Folge davon sein? Etwa ein aggressiver, bissiger Hund?

Wie ist es dann bei einem Menschenbaby? Hat man da auch Angst, ihm zuviel Liebe angedeihen zu lassen? Werden aus geliebten und behüteten Menschenbabys und Kleinkindern später Mörder, Verbrecher, Assoziale, Kriminelle?

Ist die Welt so wie sie ist, weil zuviel Liebe unterwegs ist?

Bitte hören Sie im Zweifelsfall immer auf Ihr Bauchgefühl. Das ist klüger als all die gutgemeinten Ratschläge anderer Hundebesitzer.



Angst, Aggression, Wut

Alles drei negative Emotionen. Emotionen, egal ob negativ oder positiv sind nicht steuerbar - weder bei Mensch noch beim Hund. Emotionen sind kein Verhalten, sie werden durch Gefühle unbewußt ausgelöst. Auch Glück und Liebe sind Gefühle, beide auch nicht steuerbar. Emotionen kann man nicht lehren, nicht dressieren, nicht konditionieren, nicht belohnen und erst recht nicht bestrafen. Weil sie kein Verhalten sind und eben somit nicht bewußt einsetzbar sind.

Dass man Angst durch Zuwendung nicht verstärken kann, ist hoffentlich mittlerweile zu jedem Hundehalter durchgedrungen. Angst kann man nur durch noch mehr angstauslösende Reize verstärken.

Aber auch Wut und Aggression kann man nicht durch Zuwendung verstärken. Mit der Wut und der Aggression vom Gegenüber bzw. vom Ansprechpartner wird diese Emotionen jedoch verstärkt bis die ganze Situation eskaliert. Schaltet man tagsüber die privaten Fernsehsender an, sieht man das sehr schön: Menschen, die sich ständig gegenseitig anschreien. Kein schöner und sinnvoller Zeitvertreib.

Zuwendung, egal in welcher Form, sei es durch liebevolle, warme oder beruhigende Worte, ein Lächeln, eine Berührung, sanftes Streicheln löst im Hund ein wohliges Gefühl aus. Glückshormone breiten sich im Körper aus. Und diese können vieles, aber mit Sicherheit keine unangenehmen Gefühle verstärken oder bestätigen. Sondern sie überdecken die negativen Gefühle und Emotionen. Und genau deswegen arbeite ich gerade mit sehr aggressiven Hunde viel durch Berührung, Streicheln und liebevollen, warmherzigen Worten. Ich nehme ihnen quasi den Wind aus den Segeln und lenke ihre Aufmerksamkeit wieder auf mich - ihrem großen Vorbild.

Das brauche ich nicht trainieren, nicht konditionieren, nicht üben, nicht dressieren sondern einfach machen. Tut Hund und Mensch gleichermaßen gut.

Rufen

Wie reagieren Sie, wenn Ihr Partner/in oder Ihr/e Freund/in freundlich Ihren Namen nennt/ruft? Richtig, vermutlich werden Sie ihren Blick in die Richtung der Person wenden und mit einer Mischung aus Erwartung und Neugierde Ihre volle Aufmerksamkeit dorthin richten.

Belege ich den Namen meines Hundes stets positiv und verkaufe ich mich ihm als durchwegs freundlich, bereite ich ihm meinen "Dunstkreis" als durchwegs angenehm, dann ist es absolut kein Problem, das freundliche Nennen des Namens als Abbruchsignal für alles zu verwenden, was ich im Moment nicht möchte. Eine nette kleine verbale Bestätigung für seine Aufmerksamkeit unterstreicht das Ganze. Und somit vergräme ich meinen Hund nicht, sondern ich kann zeigen, dass ich immer die bessere Alternative für alles bin. Das erfolgreiche Abrufen ist dann die logische Konzequenz. Dies alles muss ich nicht trainieren, nicht üben, nicht clickern, sondern einfach machen. Immer. Und somit ist übellauniges PFUI! NEIN! AUS! und das Hinterherwerfen von Gegenständen absolut überflüssig.

Angst

Silvester - und das alljährliche Gekrache und Geballere beginnt wieder. Zum Leidwesen fast aller Tiere. Und wir Hundehalter bekommen es natürlich bei unseren vierbeinigen Mitbewohnern besonders mit. Viele unserer Hunde haben Angst - Todesangst. Angst ist lebensnotwendig, denn sie bereitet den Körper darauf vor zu fliehen. Oder zu kämpfen. Oftmals aber nur zu erstarren oder Übesprungshandlungen zu begehen. Angst hat einen Grund, und Angst zu haben ist das Natürlichste der Welt.

Wie sollen wir nun mit der Angst unserer Hunde umgehen?
"Auf keinen Fall trösten - das verstärkt seine Angst!" ist ein Spruch, den mit Sicherheit jeder schon mal gehört hat. Entgegen dem eigenen Bauchgefühl hat man dann schön artig den eigenen Hund und dessen Befindlichkeiten ignoriert. Und sich dabei gut gefühlt? Mit Sicherheit nicht.

Mal von vorne: Da haben wir uns einen vierbeinigen Mitbewohner ins Haus geholt mit dem Anliegen, eine Freund zu haben. Durch Dick und Dünn. Dieser Vierbeiner ist dem Menschen so ähnlich wie kein anderes Haustier. 14.000 Jahre Domestizierung haben ihr Übriges dazu beigetragen. Unser Hund liest uns so gut wie kaum ein Mensch, spürt unsere Befindlichkeiten und liebt uns abgöttisch. Und er ist komplett von uns abhängig wie ein Kind. Er hat niemanden außer uns. Wir teilen Freud und Leid mit ihm, Kummer und Sorgen. Und ausgerechnet, wenn es ihm mal schlecht geht, sollen wir das ignorieren? Andere Tiere dann auch? Kinder auch? Mitmenschen auch?

Sorry, liebe Hundehalter, aber wie bitte verkaufen wir uns denn vor unserem Hund, wenn wir seine Befindlichkeiten einfach ignorieren? Als blind, taub und stumm. Als jemanden, der zu blöd ist, wirkliche Gefahren zu erkennen. Schließt man sich so jemandem voller Vertrauen an? So jemand führt einen geradewegs ins Verderben.

Wie würde es Ihnen gehen, wenn Sie Angst haben, und Ihr Sozialpartner ignoriert dies bzw. Euch? Wäre das eine Person Ihres Vertrauens, jemand, zu dem Sie aufschauen würden?

Stellen Sie sich bitte mal eine Situation vor, bei der Sie wirklich Angst haben. Zum Beispiel ein Zahnarztbesuch, bei dem Ihnen eine langwierige, schmerzhafte Behandlung bevorsteht. Oder Sie müssten eine wacklige Hängebrücke überqueren. Oder eine fette Spinne im Haus, die gerade die Wand hochhuscht. Mit Sicherheit hat jeder vor uns etwas, vor dem er Angst hat. Und dann Ihr Partner, der Ihre Angst ignoriert und den Auslöser der Angst ignoriert. Sammelt er in dem Moment Pluspunkte bei Ihnen? Mit Sicherheit nicht. Wäre es nicht viel schöner und hilfreicher, wenn er Sie in den Arm nehmen würde, Sie seine Sicherheit und seine Stärke, seinen Trost und seinen Zuspruch spüren dürften. Eine starke Schulter, an die Sie sich anlehnen dürften?

Nun mal das Ganze in biochemisch:
Angst erzeugt Stress. Dabei wird im Körper das Stresshormon Cortisol produziert, welches wie oben erwähnt, bereit macht zur Flucht oder zum Kampf.
Berühre ich nun aber meinen Hund, streichle ich ihn sanft und liebevoll, nehme ich ihn in den Arm (sofern es möglich ist), bereite ihm ein durchwegs gutes Gefühl, spreche ich sanft und verständnisvoll mit ihm, tröste ich ihn, indem ich ihm meine Stärke gebe, dann wird in seinem Körper (und auch in unserem) das Bindungs- und Kuschelhormon Oxytozin produziert. Je höher nun dieser Oxytozinspiegel steigt, desto schneller wird das Cortisol abgebaut.

Wohlgefühl da - Angst weg - Bindung verstärkt - Vertrauen größer als zuvor. So einfach ist das. Und das gilt nicht nur für Silvesterangst.

Hätten wir doch gleich auf unser Bauchgefühl gehört, nicht wahr?


Ich habe meine 5 Hunde noch nie gestraft, noch nie gemaßregelt, noch nie geschimpft, noch nie ihnen gegenüber die Stimme erhoben. Meine Hunde haben von mir in all den Jahren nur reine Liebe und unendliche Fürsorge erfahren.
Ich habe mich ihnen gegenüber als so perfekt wie möglich verkauft. Ich arbeite tagtäglich an mir, um für sie so zu bleiben. Und das ist eine wunderbare Arbeit, denn sie ist nicht nur für meine Tiere, sondern auch für mich gut.
Ich lobe und bestätige sie verbal ständig, ich hebe sie psychisch, ich motiviere sie in ihrem Sein.
Das ist der Grund, warum sie so sind wie sie sind. Das ist der Grund, warum sie immer gerne in meiner Nähe sind - auch im Gelände. Das ist der Grund, warum sie so sonnig sind, warum sie so glücklich sind, warum sie so kreativ sind. Warum sie so unterschiedlich, so individuell und doch so ähnlich sind.
Warum wir zusammen so unendlich eins sind.
Und wer uns kennt, kann das sicherlich bestätigen.




Jede Form von Strafe (und dazu gehört auch schon das Erheben der Stimme) bewirkt nur, dass der Hund Angst vor uns hat.

Ein Hund hat keine Vorstellung von Gut und Böse, von Recht und Unrecht, von Eigentum und Grenzen, von Moral, Anstand, Sitte und Benimm. Das sind menschliche Werte.

Also was tun, wenn der Hund ein unerwünschtes Verhalten an den Tag legt? Ganz klar: Ich zeige ihm ein Alternativverhalten. Geht wunderbar leicht und logisch.

Respekt

Ein Kursteilnehmer erzählte stolz, dass er im Vergleich zu seiner Frau extrem streng ist und nur über Kommandos mit seinem Hund spricht, damit dieser Respekt vor ihm hat.

Respekt?

Leider verwechseln viele den Terminus Respekt mit Angst.

Respekt erlange ich, indem ich den anderen beeindrucke durch meine Fähigkeiten, durch mein Wissen, durch meine positiven Eigenschaften, aber mit Sicherheit nicht dadurch, dass ich rumschreie, strafe und rumpöble.

So erreiche ich lediglich, dass man Angst vor mir hat. Und hat man vor jemandem Angst, vertraut man ihm keine Sekunde mehr.

Will man wirklich, dass der eigene Hund vor einem Angst hat? DAS Wesen, welches einen mehr liebt, als es jemals ein Mensch tun wird, soll sich vor mir fürchten?


Wollen ohne zu wollen oder das absichtslose Handeln.


Das ist eine Kunst, und auch das lehre ich in meinen Kursen. Dazu das Loslassen.

Komme ich ins Wollen, werde ich hart, verliere ich die Fähigkeit zu fühlen, zu spüren, wahrzunehmen. Dann habe ich einfach nur ein Ziel vor Augen, und ist dies der Fall, bin ich schon von Ehrgeiz getrieben. Ehrgeiz läßt uns hart werden. Mit Hunden Sein ist das Gegenteil von Härte, Ehrgeiz und Verbissenheit. Lerne ich das Loslassen, geschehen oft richtige kleine Wunder.

Vor ein paar Tagen war ich mit meiner Schäferhündin Bianca und einer meiner vier Chihuahuamädels in der Tierklinik. Ohne Leine, ohne Worte und ohne Zeichen ging ich mit beiden vom Parkplatz zur Anmeldung. Ohne Leine, ohne Worte und ohne Zeichen setzten sie sich neben mich hin. Ohne Leine, ohne Worte und ohne Zeichen ging ich ins überfüllte Wartezimmer, meine Hunde mit mir. Ohne Leine, ohne Worte und ohne Zeichen legten sich beide zu meinen Füßen entspannt hin und schliefen. Ohne Leine, ohne Worte und ohne Zeichen ging ich, als wir aufgerufen wurden durch den langen Gang ins Sprechzimmer. Beide kamen im Gänsemarsch entspannt mit. Ich widerstand der Versuchung, mich umzudrehen. Nach der Behandlung gingen wir ebenso ohne Leine, ohne Worte und ohne Zeichen zurück zur Anmeldung, um zu zahlen. Wieder setzten sich beide entspannt neben mich hin. Und ebenso gingen wir aus der Tür zurück zum Parkplatz zum Auto. Ohne Leine, ohne Worte und ohne Zeichen.

Jetzt könnte ich natürlich sagen, dass ich hier die große Angebershow vor allen abziehen wollte, um Werbung für mich und meine Arbeit zu machen. Um mich darzustellen, um bewundert zu werden.

Aber wir haben einfach nur übers Sein kommuniziert, es hat einfach nur für diesen Moment so sein sollen. Ich habe losgelassen. Nie habe ich auf so etwas hingearbeitet. Wäre ich bewußt ins Vorführen gekommen, hätten mir meine Hunde gezeigt, was für ein erbärmliches und armseeliges Würstchen ich bin. Denn dann wäre ich hart, verbissen, eitel, hochmütig und ehrgeizig geworden.


Entspannter Rudelspaziergang

innerhalb eines Kurses. Diese Spaziergänge dienen dazu, Mensch und Hund zu entspannen, runterzubringen, locker zu machen. Ein Hundespaziergang sollte ein Seele baumeln lassen sein. Wir kommunizieren mit unseren Hunden und genießen die Natur mit all unseren Sinnen. Ohne Hektik, ohne Streß, ohne Kommandos. DAS ist Auslastung!
Das was als Auslasten den Hundehaltern verkauft wird, nennt sich dann Auspowern und ist für die Hunde einfach nur Streß. Streß lastet weder Mensch noch Hund aus. Streß streßt! Ich habe noch nie einen unausgelasteten Hund gesehen, wohl aber genügend gestresste (ausgepowerte) Hunde, die aufgrund ihrer gutgemeinten Auslastung ständig unter Strom stehen. Am schlimmsten sind die Auspoweropfer Nummer 1: Die Hunde, die Hundesport machen und die Bällchen-/Stöckchenwerffraktion. Hochgepushte und dauergestresste Hunde. Genau das Gegenteil von ausgelastet.
Das Leben könnte so schön sein.
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