Vom Wolf zum Hund

Vom Wolf zum Hund

Vor ca. 15.000 Jahren begann es, dass sich einige mutige Wölfe der Gattung Canis Lupus (Grauwolf) den menschlichen Siedlungen genähert haben. Man vermutet, dass durch den Verlust der Scheu, also durch die Domestizierung, aus dem Canis Lupus sich der Canis Lupus Familiaris, also der Hund, entwickelte. Dieser fand bei den Menschen Nahrung in Form von Essensresten. Und dies bewirkte zusätzlichen Verlust von Angst dem Menschen gegenüber, denn die Option auf einen gedeckten Tisch – im Vergleich zum Selber-Jagen – ließ viele Hemmungen verschwinden. 

Wir kennen das von den Füchsen, die sich immer mehr in die Großstädte hineinwagen, weil dort besonders leicht Essen zu finden ist. Müllsäcke als Fast Food Restaurant zu benutzen anstatt Mäusen auflauern... Prima Sache! Und so entwickelte sich aus dem reinen Fleischfresser Wolf der Allesfresser Hund. Hunde können – abgesehen von ein paar giftigen Ausnahmen – von allen Nahrungsmitteln leben und überleben. Genau wie wir. 

Zurück zu den Urhunden: Es gab keine Müllabfuhr, und es gab auch keine Kanalisation. Das heißt, sie fanden dort nicht nur Essensreste, sondern auch menschliche Fäkalien. Doppelte Option auf eine reichhaltige Mahlzeit. Ja, Hunde essen Fäkalien! Und der eine oder andere Ihrer Hunde wird das sicherlich auch tun. Daher Vorsicht vor Tempotaschentüchern in Gebüschen! Es ist dennoch im Prinzip nichts Schlimmes. Hunde sind so. Hunde essen gerne und nicht ohne Grund Fäkalien. Daher der verächtliche Begriff „Köter“. „Köter“ kommt von Kotfresser. 

Dadurch, dass die Hunde Essensreste und Fäkalien verspeisten, waren sie den Menschen immer mehr willkommen, da die Umgebung sauber bleib und somit Ungeziefer fernblieb.

Es gab damals übrigens auch keine Alarmanlagen. Und da war der dritte Umstand, der Hund und Mensch immer mehr zusammenschweißte: Die Hunde meldeten, wenn sich der Feind, ein Raubtier oder sonst was näherte. Damals lebensnotwendig, heute bekommt der arme Hund dafür in der Regel eins auf die Mütze, wenn er seinen tief verankerten Job für uns tut. Hunde melden – das ist ihr Naturell, ihr Job seit 15.000 Jahren, ihre Sprache, ihre Art und Weise mit uns zu kommunizieren. Es liegt an uns, dem Hund zu zeigen, dass wir verstanden haben, dass er uns gerade – zumindest in seinen Augen – vor einer Gefahr warnt und wir jetzt den Rest übernehmen.
So begann die Symbiose Mensch – Hund.

Dieser Urhundetyp von einst war ca. 12 kg schwer, oft gefleckt und hatte Knickohren. Und aus diesem Urhundetyp, der in vielen fernen Ländern heute noch durch die Siedlungen streift, entstanden all unsere ca. 400 Hunderassen. Ergo ist meine Schäferhündin Bianca nicht wolfs-verwandter als meine 4 kleinen Chihuahuamädels. Unsere Rassehunde entstanden durch zufällige aus der Art schlagenden Verpaarungen, man vermutet durch Inzucht.
Was unterscheidet nun den Hund vom Wolf?

•Wir haben es schon erwähnt: Die Fähigkeit, Stärke zu verdauen.
•Hunde bellen, Wölfe nicht. Und man vermutet, dass das Bellen wirklich entstanden ist, um mit uns Menschen zu kommunizieren.
•Die Bindung zum Menschen. Kein anderes domestiziertes Tier braucht einen Menschen. Hunde hingegen brauchen den Menschen mehr als einen Artgenossen. Sie lieben ihren Menschen mehr als ein Mensch einen anderen Menschen lieben kann. Man muss sie dazu weder zähmen noch brechen oder sie mit der Flasche aufziehen.
•Hunde pubertieren ca. ab dem siebten Lebensmonat, Wölfe erst ab dem zweiten Lebensjahr. Hündinnen werden zweimal pro Jahr läufig und danach scheinschwanger. Wölfinnen einmal pro Jahr und werden dann scheinschwanger. Dies alles ist die Folge des reichhaltigen Nahrungsangebotes. Auch unsere Kinder pubertieren wesentlich früher als noch vor 100 Jahren. 
•Hunde haben im Verhältnis zur Körpergröße wesentlich kleinere Zähne als Wölfe, selbst Hunderassen, die so groß wie Wölfe sind. Dies entstand durch das Müllfressen. 
•Hunde haben mehr Gesichtsmuskeln als Wölfe. Sie sind fähig, in der Kommunikation mit uns Menschen ihre Mimik der der menschlichen anzupassen. Eine Folge der Domestizierung. 
•Hunde haben ein sogenanntes dauerjuveniles Verhalten, das heißt, sie bleiben "Kinder" bis zum Sterbebett. Sie begeben sich von Natur aus in unsere Abhängigkeit und brauchen unseren Schutz und unsere Fürsorge. Sie haben in der Regel stets gute Laune und sich leicht für alles zu begeistern.

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